Samstag, 19. September 2026

Das Weihnachtskonzert

 



ISBN : 9783805201469
Gebundenes Buch : 176 Seiten
Verlag : ROWOHLT Wunderlich
Erscheinungsdatum : 18.09.2026
Genre : Roman

Werbung (gemäß §2 Nr.5 TMG) 

 

 

 

Musikalische Schnitzeljagd

 

Damit schenkst du mir und der Stadt etwas Großes, Albrecht, der ganzen Welt, zur eigenen Freude und zum Lob Gottes.“ (S. 77)

Hamburg, November 1789: Eigentlich hat der Glockengießer Albrecht Kopper alle Hände voll mit den Vorbereitungen für den Guss einer Glocke zu tun. Doch seine betagte Mutter Margaret hat einen letzten großen Wunsch: Sie möchte die Wiederaufführung der ersten Kantate von Johann Sebastian Bachs Weihnachtsoratorium erleben. Bei deren Uraufführung 1743 hatte sie einst Albrechts Vater kennengelernt.

Die Noten sollen sich im Archiv des inzwischen ebenfalls verstorbenen Philipp Emanuel Bach befinden. Albrecht erinnert sich an Rosina Vinstedt, die ehemalige Komödiantin, die mit dessen Witwe bekannt ist, und bittet sie, die verschollenen Noten aufzuspüren. Doch im Archiv sind sie nicht zu finden. Gemeinsam mit dem singenden Küchenmädchen Frieda begibt sich Rosina deshalb auf eine vorweihnachtliche Schnitzeljagd, folgt alten Spuren und stößt dabei auf so manche Überraschung. Doch die Zeit drängt: Wird es ihr gelingen, die Noten rechtzeitig vor Weihnachten zu finden?

 

Diese wunderbar von Andrea Offermann illustrierten historischen Weihnachtsgeschichten gibt es bereits seit 2011 bei Rowohlt. Den Auftakt machte damals „Drei Wünsche“, ebenfalls aus der Feder von Petra Oelker. Besonders gefreut habe ich mich deshalb über das Wiederlesen mit der ermittelnden Komödiantin Rosina.

 

Für sie ist die Suche nach der Bach-Kantate eine willkommene Ablenkung, während sie auf ihren Mann Magnus wartet, der im Auftrag des Rates zu einer inoffiziellen Mission nach Paris aufgebrochen ist und versprochen hat, spätestens zu Weihnachten zurückzukehren. Gleichzeitig kann Rosina alte Verbindungen aus ihrem früheren Wanderleben wiederaufleben lassen, Freunde und Bekannte einbeziehen und ganz nebenbei eine passende Gesangslehrerin für Frieda finden, deren musikalische Ausbildung sie selbst zunehmend überfordert.

 

Petra Oelker verbindet die spannende Suche nach den verschwundenen Noten mit einer ausgesprochen stimmungsvollen Weihnachtsgeschichte. Dabei erfährt man viel über das historische Hamburg, seine Kirchen und das Handwerk des Glockengießens, aber auch über das Leben der unterschiedlichen gesellschaftlichen Stände und die Regeln dessen, was sich für wen „ziemte“ – und was eben nicht.

 

Die neugierige und selbstbewusste Rosina tanzt dabei wie gewohnt gern aus der Reihe. Doch genau das macht ihren Charme aus: Sie lässt sich nicht so leicht in gesellschaftliche Grenzen zwängen und versteht es, ihr Gegenüber für sich einzunehmen.

 

Und über allem schwebt die Musik, allen voran Bachs beeindruckendes Weihnachtsoratorium. Beim Lesen hatte ich die festlichen Klänge beinahe automatisch im Ohr. So entsteht eine atmosphärische Mischung aus historischer Spurensuche, Weihnachtsstimmung und ganz viel Musik, die wunderbar in die Adventszeit passt.

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