Erscheinungsdatum: 07.09.2026
Herausgeber: Pendragon
Buchlänge: 360 Seiten
ISBN: 9783865329684
Wenn die Sucht zum Gegenspieler wird
Der Buchtitel ist Programm und passt perfekt zur Story. Im Mittelpunkt steht die Schauspielerin Nora Stern. Sie ist Alkoholikerin und seit drei Jahren abstinent.
Nun stelle man sich vor, dass diese Frau niedergeschlagen und in einen Keller verschleppt wird. Dort erwartet sie ein leckeres Buffet, aber ausschließlich alkoholische Getränke. Wie soll sie ihren Durst stillen? Es kommt, wie es kommen muss.
Vier Tage später erwacht Nora auf einer Wiese. Endlich frei und dennoch voll im falschen Film. Denn Nora hängt wieder an der Flasche. Panik breitet sich in ihr aus. Sie muss schnell trocken werden, denn bald stehen Dreharbeiten an und außerdem muss sie im Sorgerechtsstreit mit ihrem Ex-Mann um die beiden Kinder kämpfen.
Doch die Sucht hat andere Pläne.
Als Nora sich an einer Tankstelle Nachschub besorgen will, wird sie von einem Paparazzo fotografiert. Was passiert, wenn die Fotos im Netz landen? Wer will Nora schaden und warum?
Wiebke Lorenz ist ein Schreibprofi. In ihrem neuen Roman greift sie ein sensibles Thema auf und verpackt es beeindruckend in ihrer Geschichte, die auf mich erschreckend real wirkt. Die Autorin weiß, wovon sie schreibt, denn sie ist selbst alkoholkrank.
Auch ich habe in meiner Familie erlebt, wie tückisch diese Krankheit sein kann und wie schwer es ist, aus diesem Dschungel wieder herauszukommen. Vielleicht hat mich Noras Geschichte deshalb auch auf eine ganz besondere Weise berührt.
Die Charakterdarstellung der Nora Stern hat mir sehr gut gefallen. Sie ist trotz der widrigen Umstände von einer erfrischenden Selbstironie gezeichnet. Nora ist keine Heldin. Sie macht Fehler, ist widersprüchlich und verzweifelt, verliert dabei aber nie ihren Humor. Gerade das macht sie für mich so glaubwürdig und sympathisch.
Es ist erstaunlich, wie tiefgründig und gleichzeitig schwarzhumorig die Handlung ist. Der Autorin gelingt es, das ernste Thema Alkoholsucht eindringlich zu schildern, ohne dass die Geschichte schwer oder belehrend wirkt.
Die Spannung entsteht für mich nicht in erster Linie durch die Frage, wer hinter allem steckt. Viel stärker hat mich Noras persönlicher Kampf gepackt. Schafft sie es, sich aus diesem Strudel wieder zu befreien? Kann sie ihre Abstinenz zurückgewinnen, bevor ihr Leben endgültig aus den Fugen gerät? Und was passiert, wenn die Fotos von ihrem Rückfall tatsächlich öffentlich werden?
Ein eindringlicher Roman mit einer enormen Sogwirkung, der lange im Gedächtnis bleibt. Er zeigt nicht nur die Folgen von Sucht, sondern lässt auch die Grenzen zwischen Täter und Opfer verschwimmen.

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