Dienstag, 6. Oktober 2026

Blut für Blut Buddyread

"Sie hasste diesen Auftrag. Er hielt sie am Leben, und gleichermaßen brachte er sie gerade an den Rand dessen, was sie ertragen konnte." (S. 202)
Sophie Roth hat es geschafft, nach Jahren aus einer gewalttätigen Beziehung zu fliehen, in der sie immer kleiner, stiller, ängstlicher und schließlich immer unsichtbarer geworden ist. Nun wagt sie einen Neuanfang als Fotografin – und bekommt ausgerechnet den Auftrag ihres Lebens: Sie soll die Mitglieder einer äußerst reichen und einflussreichen Familie mit ihrer analogen Kamera porträtieren. 
Doch auf einem ihrer Bilder entdeckt Sophie etwas, das eigentlich nicht sein kann. Gleichzeitig wächst das Gefühl, verfolgt zu werden, und schließlich wird auch noch ihr Fotostudio verwüstet. Jemand will ihr Angst machen. Aber wer – und vor allem: warum?

Hasi: Puh, das war ja wirklich extrem spannend und gruselig. Ich hatte echt Probleme, es allein zu Hause zu lesen und hab es darum am Stück an einem Abend durchgesuchtet, weil ich mich auch schon verfolgt und beobachtet gefühlt habe. Ein richtig blutiger, brutaler Psychothriller.   

Patno: Ich habe früher viele Thriller gelesen und bin daher vermutlich abgebrühter. Im Gegensatz zu dir fand ich das Buch gar nicht so gruselig. Es liest sich flüssig und schnell. Mir war auch relativ schnell klar, worauf die Geschichte hinauslaufen wird und gerade in der ersten Hälfte fand ich sie etwas in die Länge gezogen. Zum Ende hin nimmt das Tempo zu. Auch mit der Figurendarstellung habe ich mich schwergetan. 

Hasi: Oh, so unterschiedlich kann es sein. Ich hatte zwar auch schon früh eine Idee, aber auf die richtige Auflösung bin ich erst relativ spät gekommen. Und Du hast Dich wirklich nicht gegruselt? Also wenn ich da an die Szenen im Wohnwagen denke und die Spuren, die sie erst gar nicht ernst genommen hat - ich habe ihre Angst im Nacken immer live gespürt und mitgefühlt. Und diese Familie Grafinger, die sie fotografieren sollte, war auch so eigenartig, den Auftrag hätte ich wahrscheinlich nicht angenommen.  

Patno: Also diese Familie Grafinger fand ich von Anfang an merkwürdig und irgendwie schien mir Sophie auch ein bisschen naiv, so einen Vertrag anzunehmen. Irgendwie waren die alle unsympathisch und für mich in ihrer Rolle nicht überzeugend. Überraschend war für mich die Nummer mit dem Exfreund. Er wirkte auf mich anders, als sie ihn beschrieben hat. Und dann ist da noch dieser Bruder, der seit 20 Jahren spurlos verschwunden ist. 

Hasi: Bei dem Ex-Freund und dem Bruder bin ich ganz bei Dir. Ich habe mir den Ex wie ein Psychopathen vorgestellt und dann war der so handzahm - fast, als hätten die Probleme an ihr gelegen und nicht an ihm. Und der Bruder war echt spookie. Also die ganze Geschichte, die da dran hing. Das war aber auch der Teil, den ich ab einem bestimmten Punkt geahnt hatte.
Aber auch wenn wir jetzt ein kleines bisschen Kritik üben - spannend und atmosphärisch war das Buch trotzdem, oder? 

Patno: Na klar, die Autorin ist ein Schreibprofi und das spürt man auch. Es war auch für mich ein Leseerlebnis. Und diese geheimnisvolle Atmosphäre des Buches mochte ich auch. Am Ende ist es doch immer eine Frage des persönlichen Geschmacks. Der Buchtitel hat übrigens perfekt zur Geschichte gepasst. 

Unser Fazit: Wer Spannungsromane mag und gerne in die Abgründe der menschliche Seele blickt, liegt mit diesem Buch richtig.

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