ISBN : 9783985854578
Gebundenes Buch : 384 Seiten
Verlag : adrian & wimmelbuchverlag
Erscheinungsdatum : 16.09.2026
Genre : Jugendbuch
Werbung (gemäß §2 Nr.5 TMG)
„… Rudern … war ihr Lebenselixier. Das Einzige, was sie brauchte, um den Kopf über Wasser zu halten. Buchstäblich und im übertragenen Sinne.“ (S. 12) Nachdem Teagans Vater seine Firma vor einem halben Jahr an die Wand gefahren hat und verschwunden ist, bevor ihn das FBI verhaften konnte, haben Teagan und ihre Mutter alles verloren. Sie ziehen zurück in deren Heimatstadt Eagle’s Cove, in das Haus, das ihre Mutter von ihren Eltern geerbt hat. Zum Glück hatte ihr Vater einen Ausbildungsfonds für Teagan eingerichtet, sodass sie auch dort weiterhin eine gute Privatschule besuchen kann.
Allerdings gibt es an der Easton Prep kein Mädchen-Ruderteam. Also beobachtet Teagan kurzerhand das Training des Jungen-Achters – und stellt fest, dass die Jungs alles andere als synchron rudern. Dem Coach sagt sie ziemlich unverblümt, wie sie die Plätze der Ruderer neu besetzen würde. Und tatsächlich: Die umgestellte Mannschaft läuft deutlich besser. Nur der Steuermann erfüllt die Erwartungen weiterhin nicht. Kurzerhand übernimmt Teagan selbst seinen Platz und wird zum „Crew Girl“.
Aus der Einzelkämpferin muss nun eine Teamplayerin werden, die im wahrsten Sinne des Wortes den Takt vorgibt. Doch den Respekt und vor allem das blinde Vertrauen der Jungs – schließlich ist sie die Einzige, die sieht, wohin sie fahren – muss sie sich erst verdienen. Und das ist deutlich schwieriger als gedacht.
Besonders hart umkämpft ist die Position des Schlagmanns. Bisher hatte Josh diesen Platz inne, schließlich waren schon sein Vater und sein Großvater Schlagmänner. Doch sein Cousin Ryder will ihn unbedingt haben. Wenn Teagan entscheiden dürfte, würde sie allerdings Cam auf diese Position setzen. Der Stipendiat aus dem Ort wird von den reichen und einflussreichen Kids jedoch nicht wirklich ernst genommen.
„Crew Girl“ ist ein mitreißender Coming-of-Age-Roman, den ich – genau wie die Netflix-Serie – in nur wenigen Abenden weggesuchtet habe. Sheila MacLeod erzählt die Geschichte abwechselnd aus der Sicht von Teagan, Cam und Josh. Und wie man sich bei dieser Konstellation vielleicht denken kann, knistert es zwischen den dreien gewaltig – zumindest dann, wenn sie sich nicht gerade wegen irgendetwas in die Haare bekommen.
Teagan kommt eigentlich aus derselben gesellschaftlichen Schicht wie ihre Mitschüler. Nach dem Bankrott ihres Vaters kann ihre Mutter sich die teure Privatschule allerdings kaum noch leisten. Dadurch versteht Teagan beide Seiten: den verwöhnten Josh, der in Wohlstand aufgewachsen ist, genauso wie Cam, der sein Stipendium seinem Talent fürs Rudern verdankt.
Dass Cam nicht aus derselben Welt kommt wie die anderen, wird ihm von den Jungs immer wieder vorgehalten – meist gar nicht bewusst und auch nicht unbedingt böse gemeint. Trotzdem tut es weh. Während die anderen Mannschaftsmitglieder Partys feiern, arbeitet Cam in der Autowerkstatt seines Vaters, damit die Familie einigermaßen über die Runden kommt.
Doch auch Joshs Leben ist längst nicht so glamourös, wie es von außen scheint. Auf ihm lastet der enorme Druck, immer der Beste sein zu müssen.
„Sie lieben mich nur, wenn ich gewinne.“ (S. 334)
Hinter den reichen und gelangweilten Jugendlichen, die scheinbar kaum Konsequenzen fürchten müssen, steckt nämlich ebenfalls eine Menge Erwartungsdruck. Von ihnen wird verlangt, später die Familienunternehmen zu übernehmen und die Erfolgsgeschichte ihrer Eltern fortzusetzen.
Teagan lernt durch das Steuern, auf die anderen zu vertrauen und mit ihnen zusammenzuarbeiten. Sie ist nicht mehr die Einzelkämpferin, die alles allein schaffen muss, sondern Teil eines Teams. Sie muss die Stärken der anderen erkennen und nutzen, statt gegen sie anzukämpfen, und die individuellen Fähigkeiten jedes Einzelnen zum Vorteil der gesamten Mannschaft einsetzen. „Wir mögen zwar nur ein Achter sein, aber wir sind ein Team aus neun Leuten.“ (S. 178)
Und genau darin liegt für mich eine der
schönsten Botschaften des Romans: Es geht nicht nur ums Rudern und darum, wer
am Ende als Erster die Ziellinie überquert. Es geht um Freundschaft und
Beziehungen, um Vertrauen und darum, sich aufeinander verlassen zu können. Um
das Erwachsenwerden, darum, Verantwortung für sich und andere zu übernehmen –
und manchmal auch darum, das eigene Ego zurückzustellen und das zu tun, was für
das Team am besten ist.
Dabei sorgt die Mischung aus Sport,
Konkurrenz, Freundschaft, Familienkonflikten und einer ordentlichen Portion
Romantik für jede Menge Tempo. Die Figuren haben ihre Ecken und Kanten,
entwickeln sich weiter und müssen lernen, dass man gemeinsam manchmal mehr
erreichen kann, als wenn jeder nur für sich kämpft.
Ich habe „Crew Girl“ genauso gerne gelesen, wie ich die Serie geschaut habe – und hoffe deshalb ganz stark, dass es nicht bei diesem einen Band bleibt. Ich wäre jedenfalls sofort wieder mit an Bord.

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