Dienstag, 6. Oktober 2026

Der Zauber von Zimt und Inselwind


 

 

 

ISBN : 9783499017797
Taschenbuch : 384 Seiten
Verlag : ROWOHLT Taschenbuch
Erscheinungsdatum : 06.10.2026
Genre : Roman

Werbung (gemäß §2 Nr.5 TMG) 

 

 

 

 

Nögen gülstäär – niedlicher Goldstern

 

„Ich hatte das Gefühl, dass ich gerade erst begonnen hatte zu verstehen, dass die Geschichte meiner Oma nicht nur aus dem bestand, was sie mir erzählt hatte, sondern aus dem, was sie sorgfältig verborgen hielt.“ (S. 325)

Hanna hatte schon immer eine sehr enge Beziehung zu ihrer Oma. Seit dem Tod ihres Opas besucht sie sie noch regelmäßiger. Umso überraschter ist sie, als ihre Oma eines Tages von einem unvergesslichen Sommer ihrer Jugend erzählt, den sie bei ihrer dänischen Brieffreundin Bodil in Esbjerg verbracht hat. Doch irgendwann brach der Kontakt ab. Mitten im Gespräch nennt ihre Oma Hanna plötzlich „Nögen gülstäär – niedlicher Goldstern“, und Hanna ahnt sofort, dass hinter dieser Geschichte mehr stecken muss.

Gemeinsam suchen sie nach Bodil und stoßen auf ihre Todesanzeige. Sie hat offenbar viele Jahre auf Amrum gelebt. Für Hanna ist das Grund genug, spontan eine Auszeit zu nehmen und auf die Insel zu fahren. Schließlich braucht sie nach der Trennung von ihrem Ex ohnehin dringend Abstand – und vielleicht kann sie auf Amrum mehr über Bodil und damit auch über ihre eigene Oma herausfinden.

Auf der Überfahrt lernt sie Arian kennen. Er ist so ganz anders als ihr Ex und lässt Hannas Herz schneller schlagen. Arian hat früher die Ferien bei seiner Oma auf Amrum verbracht und überlegt nun, auf die Insel zurückzukehren und sich dort als Koch niederzulassen. Zwischen den beiden knistert es gewaltig. Doch reicht dieses Prickeln auch für eine gemeinsame Zukunft? Und vor allem: Wo soll diese Zukunft stattfinden?

 

„Der Zauber von Zimt und Inselwind“ ist eine Geschichte über Neuanfänge, Liebe, Freundschaft und Vertrauen – und über die Frage, was passiert, wenn man den Mut hat, Vergangenes loszulassen.

Dabei spielt die Geschichte mitten im Winter und gerade das macht den besonderen Charme aus. Amrum zeigt sich nicht als sommerliche Postkartenidylle, sondern rauer, stiller und windiger. Der kalte Inselwind pustet Hanna im wahrsten Sinne des Wortes den Kopf frei, während Zimtschnecken, Friesentee, neue Freundschaften und gemütliche Momente für die nötige Wärme sorgen. Anne Barns erzählt von dieser besonderen Freiheit, die man am Meer verspürt: davon, dass Abstand manchmal genau das ist, was man braucht, um die eigenen Gedanken und Gefühle wieder zu sortieren.

Gleichzeitig spürt man auf jeder Seite die Liebe der Autorin zu Amrum. Sie steckt in vielen kleinen Beobachtungen und Details und macht die Insel selbst fast zu einer eigenen Figur.

Wie in vielen ihrer Geschichten geht es auch um lang gehütete Familiengeheimnisse und darum, dass es sich manchmal lohnt, nach Jahrzehnten noch einmal genauer hinzusehen. Denn „Jeder Tag ein neuer Anfang.“ (S. 160)

 

„Manches kommt wieder, wenn man nicht danach sucht. Und manches bleibt weg. Egal, wie sehr man es festhalten will.“ (S. 92)

Dieser Satz passt nicht nur zu Hannas Beziehung mit ihrem Ex, sondern auch zu den Erinnerungen ihrer Oma an Bodil und ihre gemeinsame Jugend. Hanna hat lange versucht, ihre Beziehung zu retten, musste aber irgendwann erkennen, dass eine Beziehung zwei Menschen braucht – und ihr Gegenüber schon lange nicht mehr mit dem Herzen dabei war. Auch ihre Oma und Bodil hatten sich damals so zerstritten, dass ihre Freundschaft trotz einer späteren Aussöhnung zerbrach.

 

Während Hanna Stück für Stück die Vergangenheit ihrer Oma aufdeckt, findet sie gleichzeitig ihren eigenen Weg. Und vielleicht ist genau das die schönste Parallele dieser Geschichte: Der Sommer ihrer Oma war einst voller großer Gefühle, Geheimnisse und Entscheidungen – und nun erlebt Hanna ihren ganz eigenen, nicht weniger intensiven Winter auf Amrum.

 

In den Büchern von Anne Barns erlebe ich die Nordsee und besonders Amrum immer wieder aufs Neue. Ich mag ihren atmosphärischen, leicht nachdenklichen Schreibstil und die Mischung aus Gegenwart und Vergangenheit. Die zweite Zeitebene lässt das frühere Leben auf der Insel lebendig werden und verleiht den Familiengeschichten und ihren Geheimnissen zusätzliche Tiefe.

 

Ein winterlicher Wohlfühlroman mit Nordseewind, Zimtduft, alten Geheimnissen und der Erkenntnis, dass ein Ende manchmal genau der Anfang ist, den man gebraucht hat. 

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