Sonntag, 2. Juli 2017

Fliedersommer







  • Erscheinungsdatum Erstausgabe : 13.06.2017
  • Verlag : Heyne
  • ISBN: 9783453422070
  • Flexibler Einband 448 Seiten
  • Genre: Liebesroman
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Was haben englischer Landadel und Loriot gemeinsam?

Holly muss mit fast 30 wieder bei ihrer Mutter einziehen, als ihr Arbeitgeber Pleite geht. Aber das Zusammenleben der beiden Generationen ist nicht das Hauptproblem, sondern dass Hollys Mutter seit einer dramatischen Erfahrung ein Messi ist. Holly kompensiert das Chaos zu Hause , indem sie ihr Leben bis ins Kleinste plant und für wirklich alles Listen erstellt.
Als die Besitzer des Landsitzes Wickham Hall einen neuen Assistenten für ihren Veranstaltungsmanager suchen, schlägt Hollys Herz höher – seit Jahren wäre das ihr Traumjob! Sie hat Glück und bekommt ihn. Und ihr Herz schlägt noch schneller, als sie mit Ben zusammenarbeiten muss ...

Ich habe Holly vom ersten Augenblick an gemocht. Sie arbeitet hart, um ihre Träume zu verwirklich und hat auch noch Spaß dabei. Nur im Privatleben läuft es nicht so toll. Bens Mutter findet sie unpassend als zukünftige Schwiegertochter und auch sie selbst ist unsicher, ob die Beziehung funktionieren würde.
Zum Glück hat Holly Esme – ihre beste Freundin und Stimme der (Un)Vernunft – die ihr immer wieder klar macht: „Aber manchmal muss man auch loslassen und sich mitreißen lassen. Denn manchmal passieren magische Dinge. Vor allem dann, wenn man es am wenigsten erwartet.“ (S. 80)

Auch die anderen Angestellten von Wickham Hall und Lord und Lady Fortescue (Bin ich eigentlich die einzige, die bei dem Namen immer an den Loriot-Sketch denken muss?) haben sehr harmonisch ins Bild und meine Vorstellung von einem englischen Landsitz gepasst.

„Fliedersommer“ ist ein perfekter Sommer-Sonne-Wohlfühlroman (auch wenn er nicht ausschließlich im Sommer spielt), der mit dem einen oder anderen spannenden Familiengeheimnis aufwartet. Cathy Bramley bringt das Flair von Cornwall so gut rüber, das ich das Gefühl hatte, Wickham Hall oder Hollys Cottage wie meine Westentasche zu kennen und mich selber ein bisschen wie alter englischer Landadel gefühlt habe.
Zwischen den Protagonisten prickelt und knistert es angenehm – aber es ist romantisch, nicht kitschig. Mir hat auch die kleine Reminiszenz an „Stolz und Vorurteil“ gefallen. Die Figuren sind generell sehr liebevoll und realistisch gezeichnete. Es wird keine „heile Welt Geschichte“ erzählt – alle Beteiligten haben die eine oder andere Leiche im Keller, verdrängen Probleme oder fliehen gleich ganz.

Das Leben wäre so langweilig, wenn wir immer wüssten, wie jede Geschichte endet. Das ist eine neue Geschichte ... und Du solltest nicht Angst davor haben, die Seiten umzublättern.“ (S. 346)

Wer sich vom Cornwall-Flair und der Romantik des englischen Landadels verzaubern lassen möchte, sollte bei diesem Buch unbedingt zugreifen. Mich hat es jedenfalls in eine träumerische Stimmung versetzt.