Mittwoch, 9. August 2017

Schampus, Küsschen, Räuberjagd





  • Erscheinungsdatum Erstausgabe : 29.06.2017
  • Verlag : Haymon Verlag
  • ISBN: 9783852189796
  • Flexibler Einband 264 Seiten
  • Genre: Krimi
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Über den Dächern von Bayreuth

„Dauerkichersyndrom - tritt typischerweise beim Lesen eines Krusekrimis ein und kann zu Wangen- sowie Zwerchfellmuskelkater führen.“ (Zitat der Autorin) - auch „Schampus, Küsschen, Räuberjagd“ hat dieses Syndrom wieder bei mir ausgelöst.

Endlich hat es Pauline (für ihre Freunde Pauly) geschafft: Sie singt bei den Bayreuther Festspielen die Isolde. Leider ist auch ihre größte Konkurrentin und Zweitbesetzung, dass Hermännchen, mit von der Party und will Paulys Rolle unbedingt abgreifen. Während diese sich noch gegen Silke von Hermanns Attacken währt, wird plötzlich ein berühmter Diamant gestohlen und Pauly verdächtigt. Unterstützt von ihrem narkoleptischen Boston Terrier Radames, ihrem unerbittlichen Wachhund – äh ihrer Managerin – Bröcki und Yves, ihrem unqualifizierten „Mädchen für alles“ (eigentlich ist er Opernsänger, aber zur Zeit ohne Anstellung) ermittelt sie also wieder auf eigene Faust.

So wie Pauly stelle ich mir eine Operndiva vor: exzentrisch, leicht überkandidelt, leidenschaftlich und rubensfigürlich („Hungerhaken sind nicht so meins. Wie heißt es so trefflich? Ich möchte mich morgens beim Frühstück mit meiner Liebhaberin ums Nutella prügeln.“ (S. 34)). Sie lässt sich die Designerkleidung auf den weiblich runden Leib schneidern (in Anlehnung an Beth Dito?), hat ein Herz aus Gold und kann ihre Neugier nicht zügeln.
Auch Managerin Bröcki ist außergewöhnlich: nur 128,5 m groß, aber nicht zu übersehen oder -hören. Sie peitscht Pauly unerbittlich und konsequent durch alle Termine, wacht eisern über deren Alkoholkonsum und ist gleichzeitig die beste Freundin, die sich eine Frau nur wünschen kann.
Yves hingegen: Liebhaber aller Frauen, Lebemann, chronisch pleite und irgendwie immer gerade dann unpässlich, wenn´s drauf ankommt und mit nicht nur einem dunklen Geheimnis. „Ja ich mache Fehler – das Leben kommt ja auch ohne Gebrauchsanweisung!“ (S. 82) und Ich kann nicht in den Knast. Ich bin zu schön.“ (S. 90)
Und dann ist da noch Arnaldur: isländischer Dirigent mit Sprachfehler und Paulys eifersüchtige Fernbeziehung. Ein Bär von einem Mann mit ganz besonderen Plänen ...

Tatjana Kruse überzeugt auch bei dieser Krimödie wieder durch skurrile Figuren, extrem guten Humor, eine rasante Handlung mit pointierten Wendungen und interessante Einblicke hinter die Kulissen einer Opernproduktion. Ich habe von der ersten bis zur letzten Zeile u.a. über diverse Missgeschicke gelacht und mit Spannung die überraschende Aufklärung des Falls verfolgt.
Außerdem bin ich gespannt, ob und wie Pauly die Frage „Hund oder Mann? Die Frage ist doch, will man sich nur den Teppich versauen lassen oder das ganze Leben?“ (S. 247) im hoffentlich sehr bald erscheinenden nächsten Fall klärt.