Mittwoch, 9. August 2017

Der Dichter der Familie

Buchdetails

  • Erscheinungsdatum Erstausgabe : 12.07.2017
  • Aktuelle Ausgabe : 12.07.2017
  • Verlag : Atlantik Verlag
  • ISBN: 9783455404685
  • Fester Einband 240 Seiten
  • Genre: Roman 
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Auch ich wollte endlich einmal einen "Grégoire Delacourt" lesen. Die Gelegenheit bot sich mit dem neuen Roman "Der Dichter der Familie", der im Juli 2017 beim Verlag Hoffmann und Campe veröffentlicht wurde.

Im zarten Kindesalter von sieben Jahren schreibt Édouard ein kleines Gedicht und seine Eltern sind von ihrem talentierten Jungen ganz begeistert. Der Dichter der Familie war geboren! Doch für Édouard ist es wohl mehr Fluch als Segen. Nichts läuft glatt in seinem Leben, er heiratet die falsche Frau, die Ehe seiner Eltern zerbricht und statt Schriftsteller, wird er Werbetexter. Édouard fühlt sich als Versager und immer hört er die Worte seines Vaters "Schreiben heilt". Wird es ihm letztendlich gelingen, seinem Namen als Dichter der Familie doch noch gerecht zu werden? 

Der Einstieg in das Buch fiel mir echt schwer. Ich quälte mich ein wenig durch die Seiten. Eigentlich mag ich es poetisch und gefühlvoll, aber hier wirkte alles so abgehackt und gestelzt. 
Ab der Mitte des Buches hatte ich mich endlich an den Schreibstil gewöhnt, der dann mitunter ins Derbe und Vulgäre ausuferte. Einen solch ungewöhnlichen, von krassen Gegensätzen geprägten Schreibstil, habe ich noch nicht gelesen. Zweifelsohne beherrscht der Autor sein Handwerk und natürlich spürt man den französischen Einschlag. Es gab einige Stellen, die mir richtig gut gefallen haben.
Anderseits ist Delacourts Geschichte voller Melancholie, durchzogen von falschen Erwartungen und Enttäuschungen. Das wirkte bedrückend auf mich. Spannung suchte ich vergebens.
Obwohl die Figuren mit ihren Eigenheiten und Emotionen gut dargestellt sind, fand ich irgendwie keinen Bezug zu ihnen. 
Da waren also diese Eltern, die meinten einen Wunderknaben geschaffen zu haben und ihm schon frühzeitig falsche Träume suggerierten. Ihre Beziehung geht in die Brüche und für Édouard wird es schwierig mit der Situation umzugehen. 
Er ist ein phlegmatischer Typ, der sich kaum oder nur schwer aus seiner misslichen Lage befreien kann. Das Ehedrama scheint sich bei ihm zu wiederholen. Obwohl er z.B. von Anfang an weiß, dass ihn mit Monique keine wirkliche Liebe verbindet, heiratet er sie. Manchmal habe ich gedacht, er beschwört das Unglück geradezu herauf. Ich hätte ihm etwas mehr Kraft und Energie gewünscht, denn so hat mich der Roman einfach nur runtergezogen und ich habe mich gefragt, wer so etwas wirklich lesen möchte? 
Am Ende kann man schließlich von einer positiven Tendenz sprechen. Zumindest hat Édouard letztendlich seine Berufung gefunden und ich war zufrieden, dass der Roman nur 200 Seiten umfasste.

Fazit: Sehr spezieller Lesestoff, der die Leserschaft spalten dürfte. Mein Geschmack war es leider nicht, daher empfehle ich, es mit Vorsicht zu genießen!