Freitag, 16. November 2018

Die Engelmacherin von St. Pauli

Buchdetails:

Flexibler Einband: 242 Seiten

Verlag: Gmeiner-Verlag

ISBN: 9783839223000

Erscheinungsdatum: 05.09.2018

Genre: Kriminalgeschichte







Die Engelmacherin von St. Pauli, wie sie bereits genannt wurde, schritt die zehn Stufen zum Fallbeil ohne Unterstützung und äußerlich gefasst hinauf. Dort schnallten sie die zwei Helfer des Schafrichters Alwin Engelhardt aus Magdeburg geübt auf das Brett und keine Sekunde später hatte bereits die Klinge Elisabeth Wieses Kopf vom Rumpf getrennt.“ (Auszug aus „Die Engelmacherin von St. Pauli)

Buchautorin Kathrin Hanke ist vor einigen Jahren durch eine NDR-Sendung auf den wahren Kriminalfall der Elisabeth Wiese aufmerksam geworden. Nach tiefgreifender Recherche u.a im Staatsarchiv Hamburg, ist diese interessante Kriminalgeschichte entstanden. 

Schon das Buchcover mit dem Abbild der Elisabeth Wiese beschert mir Gänsehaut. Dieser Frau mit den stierenden Augen, dem verbissene Mund, der Hakennase und den schmierigen glatten Haaren steht das Böse ins Gesicht geschrieben. 

Mit einem spannenden Prolog beginnt die Geschichte und ich bin bereits mitten im Geschehen. Die Atmosphäre des Buches ist besonders. Ich fühle mich aufgrund der detaillierten Milieubeschreibungen in die damalige Zeit versetzt. 

Kathrin Hanke skizziert Wieses Leben nach, berichtet zunächst von ihrer Tätigkeit als Hebamme, von einer ungewollten Schwangerschaft und der misslungenen Abtreibung. Es entsteht das Bild einer unzufriedenen geldgierigen und gefühlskalten Frau, die die Schuld an ihrem tristen Leben bei der Tochter Paula und ihrem meist im Alkoholrausch befindlichen Ehemann sucht. 
Eines Tages kommt Elisabeth Wiese auf die Idee „Kostkinder“ bei sich aufzunehmen. Als diese spurlos verschwinden und Gerüche von verbranntem Fleisch aus Wieses Wohnung dringen, wird das Märchen von Hänsel und Gretel zur grausamen Realität. Hat sie tatsächlich die Kinder im Ofen verbrannt? Elisabeth Wiese leugnet beharrlich, verzettelt sich jedoch in ihren Lügengeschichten. Das Hamburger Schwurgericht spricht sie schließlich für den Mord an mindestens fünf Babys schuldig. 

Geschickt verbindet Kathrin Hanke reale Fakten und fiktionale Gedanken zu einer romanartig geschriebenen Kriminalgeschichte. Selbst bei der Wortwahl greift sie auf damals üblich Begriffe zurück. 
Beeindruckt hat mich die tiefgreifende Charakterdarstellung der Elisabeth Wiese. So entstand in meinem Kopf ein lebendiges Bild von dieser schrecklichen Frau. Ich empfand eine große Abneigung gegen sie. 
Anderseits hatte ich Mitleid mit ihrer Tochter Paula, die von der eigenen Mutter zur Prostitution gezwungen wurde. 

Für mich war „Die Engelmacherin von St. Pauli“ der zweite Roman von Kathrin Hanke aus der Serie „Wahre Verbrechen“ vom Gmeiner Verlag, den ich gern weiterempfehle. 
Auch die Geschichte um die Giftmörderin Grete Beier hat mir sehr gut gefallen. 

Kurzweiliger Lesestoff mit historischen Bezügen!

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