Mittwoch, 15. Mai 2019

Die 48 Briefkästen meines Vaters






ISBN : 9783455005424
Flexibler Einband : 304 Seiten
Verlag : Atlantik Verlag
Erscheinungsdatum : 06.05.2019
Genre : Roman
Werbung (gemäß §2 Nr.5 TMG): Vorab Hinweis: Zwar wurde mir ein kostenloses Exemplar zur Verfügung gestellt, dies hat aber keinerlei Einfluss auf meine nachfolgende Meinung.
 





Sehr poetisch und philosophisch

Ausgerechnet an Chiaras 25. Geburtstag lässt Viola, ihre Patin und die beste Freundin ihrer Mutter Livia, die Bombe platzen: Ihr Vater, der kurz nach der Hochzeit der Eltern und 9 Monate vor ihrer Geburt verstorben ist, war wahrscheinlich gar nicht ihr Vater. Livia hatte nämlich eine Woche nach dessen Tod einen One Night Stand mit einem Bretonen von der Insel Groix. Schon am nächsten Tag reist Chiara nach Groix und lernt auf der Überfahrt Urielle und Gabin kennen. Erstere besucht ihre Eltern auf der Insel und Gabin ist Ghostwriter und will auf Groix recherchieren. Die drei werden sofort Freunde und Urielles Mutter verschafft Chiara eine Vertretungsstelle als Inselbriefträgerin – die perfekte Tarnung für ihre Suche.

Durch Uriells Eltern versteht Chiara erstmals was es heißt, eine Familie zu haben und füreinander da zu sein. Ihre Kindheit war ziemlich lieblos, da ihre Mutter sie nie in dem Arm genommen oder geküsst hat: „In meiner Welt fassen Mütter ihre Kinder nicht an, Väter existieren bloß auf Bildern, und Glück ist etwas Unanständiges.“ (S. 49). Die Erfahrungen, die sie bei der Suche nach ihrem Vater macht, lässt sie Livias Verhalten etwas besser verstehen. In Chiara konnte ich mich besonders gut ein- und mit ihr mit fühlen.
Ihre Mutter Livia hingegen hat es mir schwer gemacht, sie zu mögen. Sie gibt sich die Schuld am Tod des Ehemanns und fühlt sich schuldig wegen des One Night Stands danach – dafür straft sie unbewusst Chiara.
Auch Viola ist nicht besonders sympathisch. Sie wird von Rache getrieben und ist schon seit ihrer Kindheit eifersüchtig auf Livia, weil diese immer die Bessere und Hübschere war. Eigentlich will sie Viola bestrafen und trifft damit Chiara.

Die Bewohner von Groix sind genau so rau wie ihre Insel, aber auch sehr herzlich. Sie nehmen Chiara und Gabin schnell in ihrer Mitte auf. „Man landet nicht zufällig auf einer Insel. Man muss auf der Suche nach etwas sein.“ (S. 81)
Groix selber wird sehr charmant beschrieben. Man möchte direkt den nächsten Flug und die Fähre buchen.

„Die 48 Briefkästen meines Vaters“ ist eine spannende Geschichte voller Geheimnisse und handelt von der Suche nach dem Sinn des Lebens und der Wahrheit. Lorraine Fouchet schreibt sehr poetisch und philosophisch aus der Sicht des jeweiligen Handelnden und lässt auch Briefkästen und (Post)Fahrräder zu Wort kommen. „Wir sind, wen wir lieben, wer uns fehlt. Der Rest – woher wir kommen, was wir tun – ist nicht von Bedeutung.“ (209)

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