Freitag, 25. Oktober 2019

Interview mit Sandra Regnier

Letztes Wochenende war Buchmesse und wir, Meike und Tine, durften Sandra Regnier kennenlernen. Es war eine tolle Begegnung und wir haben uns lange mit der sympathischen Autorin unterhalten.
Wir haben unterschiedliche Bücher von ihr gelesen und es war klasse, sich darüber auszutauschen. Aber lest selbst, was sie uns so erzählt hat:



 
Kannst du uns beantworten, was zuerst in deinem Kopf herumgespukt ist? Die Pan-Trilogie oder Das Tor zur Anderwelt?
Da dieses Buch(Das Tor zur Anderwelt) länger als alle anderen gebraucht hat, hoffe ich, dass die Leser mir die benötigte Zeit nicht allzu übel genommen haben. Ich weiß, dass ich sie enttäuscht habe, aber ich konnte wirklich nicht. Ich hoffe, dass sie, genau wie ich, finden, dass Allison und Finn doch noch eine würdige Geschichte (und ein würdiges Ende) gefunden haben.

Wie bist du zum Schreiben gekommen? 
Das weiß ich noch ganz genau. Ich war elf, gerade frisch auf der weiterführenden Schule und fuhr morgens mit dem Zug zur Schule. In meinem Abteil saßen zwei Abiturientinnen, die für ihren Leistungskurs Deutsch einen Kurzkrimi schreiben sollten und beide waren aufgeregt am plotten. Das war so faszinierend, denn in diesem Moment ging mir auf, dass all die wunderbaren Geschichten, die ich bis dato gelesen hatte, ja von irgendjemandem ausgedacht worden waren. Das wollte ich auch und habe mich direkt dran gesetzt. Und nie mehr aufgehört.

Woher nimmst Du die Ideen für Deine Geschichten?
Das ist unterschiedlich. Meistens kommen sie zu mir. Ich entdecke gern und war daher schon immer viel Wandern. Letztes Jahr habe ich mir ein eBike gekauft. Das war das Beste, was ich mir in den letzten zwanzig Jahren geleistet habe, denn es bringt mich an Orte im Umkreis von 7 km, die ich noch nicht kannte. Zu Fuß kann man sie zwar erreichen, aber manche sind so abgelegen, dass man gar nicht auf die Idee kommt, diesen Weg einzuschlagen, denn man hat ja oft nur 2 Stunden oder so. Mit dem Fahrrad ist man viel schneller und dadurch flexibler. Für ein „normales“ Mountainbike ist die Eifel zu bergig – zumindest für mich. Ich würde mehr als die halbe Zeit das Rad schieben und das macht ja keinen Spaß. Aber mit dem eBike...! Ich bin so begeistert und 1300 km seit September letzten Jahres gefahren. Ich habe sogar eine weitere Keltensiedlung im Wald entdeckt. (Mal abgesehen von unzähligen Fischteichen in gepflegten Anlagen, Rieseneichen, einzelnen Häusern mitten im Wald, zerfallene Mühlen ...) Fotos davon poste ich ja sehr oft auf Instagram oder Facebook. Und die Ideen, die überfallen mich dann, wenn ich beim Radfahren stolpere oder mir später die Fotos anschaue. Dann stellt sich gern die Frage: Was wäre wenn ... (So entstand ja auch die Lilien-Reihe. Damals war ich allerdings mit Pferd unterwegs.)

Wie lange brauchst du für die Ausarbeitung deiner Welten? Und wie macht man dies bei Fantasyfiguren/welten? Stammbäume, Zettel, Charaktereigenschaften?
Zuerst sind da die Charaktere – ganz ohne Magie. Ich habe ein Notizbuch, ähnlich wie die Steckbriefbücher, die wir zu Schulzeiten hatten. Jede Geschichte hat ihr eigenes Notizbuch und ich sorge dafür, dass sie hübsch sind, denn ich möchte mich freuen, wenn ich sie aufschlage.
Jede Figur bekommt eine Doppelseite, die Hauptfiguren natürlich mehr.
Das dauert unterschiedlich lange und ich kann einen richtigen Zeitraum nicht wirklich beantworten, denn für die Lilie stand alles so lange fest. Ich habe mit 15 begonnen an dieser Geschichte zu arbeiten und habe mich an den historischen Figuren entlanggehangelt (Ja, die Namen sind furchtbar, aber echt und nicht erfunden.)
Bei Pan hat das sich stückweise ergeben. Ich habe Band 1 eingereicht und hatte zwei Jahre daran geschrieben, ehe er veröffentlicht wurde. Lee hatte sich übers Schreiben zu dem Schwerenöter entwickelt. Vorher war er langweilig. Bei der Zeitlos-Trilogie hatte ich nicht viel Zeit. Ich musste zum ersten Mal einen ganz neuen Roman innerhalb von wenigen Wochen schreiben.
Für die Ausarbeitung arbeite ich mit einer Tafel. Dort kann man die sogenannte Mindmapping Methode gut anwenden, die ich häufig dann einsetze, wenn ich einen Balken vorm Kopf habe. (Glaubt mir, das ist kein Brett mehr!)
Stammbäume, Reiche (wie z.B. Königreich Anderwelt) etc. kommen ins Notizbuch, ebenso wie spontane Gedanken dazu und sonstige Verknüpfungen, die sich aus allem ergeben.
Aber alles das ist Vorbereitung und ich stelle fest, die macht mir enorm viel Spaß.

Könntest du dir deine Bücher auch als Hörbücher oder Filme vorstellen oder möchtest du deinen Lesern eher die Vorstellung mit der eigenen Fantasie überlassen? Hast Du konkrete Bilder Deiner Charaktere im Kopf?
Zum Glück gibt es meine Bücher als Hörbücher, zwar nur im Download, aber die Sprecherinnen sind wunderbar und ich habe mir jedes davon auch noch mal angehört.
Filme ... tja, einerseits wäre das echt cool, andererseits hätte ich schon Angst, denn damit gebe ich meine „Kinder“ ja in fremde Hände und wer weiß, was die Filmmenschen damit machen. Immerhin haben die ihre eigene Vorstellung, so wie ja jeder Leser seine eigene Vorstellung von den Figuren hat, die er liebt.
Andererseits: Wenn sich die Produzenten von Game of Thrones melden, würde ich keinen Moment lang zögern. Dann müsste irgendwo noch eine Figur für Peter Dinklage eingebaut werden. Ohne den ginge es nicht!

Arbeitest du schon an neuen Büchern, bzw. hast du immer Buchprojekte im Kopf?
Ich habe schon vor drei Monaten wieder angefangen. Zur Zeit lässt mich eine Idee für einen neuen Jugend-Fantasy Roman nicht mehr los. Ich bin aber noch in der Vorbereitungsphase, denn es wird eine neue Welt werden. Mehr darf und kann ich leider noch nicht sagen.

Was reizt Dich an dem Genre Fantasy besonders? Kannst Du Dir vorstellen auch mal in einem völlig anderen Genre zu schreiben?
Ich habe sogar einen Liebesroman geschrieben, den ich dieses Jahr noch überarbeiten und die Fortsetzung fertigmachen möchte, damit die Leser nicht noch länger darauf warten müssen. Mein eigentliches Thema ist wohl eher die Liebe und nicht unbedingt Fantasy. Fantasy ist nur ein wunderschöner Rahmen und mit Keltensiedlungen direkt vor der Haustür, kann ich wohl nicht anders.

Jetzt wissen wir schon viel über Dich als Autorin, vielleicht beantwortest Du uns auch noch ein paar Fragen zu Dir als Privatperson:

Was machst du sonst gerne in deiner Freizeit? Liest du selbst gerne?

So viel Freizeit habe ich nicht, denn ich arbeite nebenbei noch in einer Schulbibliothek.
Wie schon oben beschrieben, bin ich sehr viel mit meinem eBike unterwegs. Wegen der Gesundheit versuche ich zweimal in der Woche zu joggen und im Sommer kann ich in unserem Vulkansee schwimmen.
Und ja klar lese ich noch viel. Nie das gleiche Genre, das ich gerade selber am bearbeiten bin, aber dafür viele historische Romane, Krimis, Thriller und auch Sachbücher. Von daher ist es sehr schön, wenn ich mal nicht einen Fantasyroman schreibe, denn dann darf ich Fantasy lesen. Zur Zeit ist es Ursula K. LeGuins Erdsee-Saga. Ich bin hin und weg.

Wer ist Dein Lieblingsheld und/oder Bösewicht in der Literatur?
Lucy aus Lockwood & Co., Angelique (natürlich), Ron Weasly – ich wäre gern so schlagfertig und er ist so herrlich normal – mal abgesehen davon, dass er zaubern kann und Gwendolyn Shepard aus Rubinrot. Ich beneide sie um Xemerius.
Lieblingsbösewicht? Ich glaube wirklich, es ist Tante Petunia aus Harry Potter. Da sich ihr Verhalten in Band 6 erklärt, empfinde ich so was wie Mitleid mit ihr und denke, es ist so nachvollziehbar, dass sie so ist, wie sie ist.

Dein Schreibtisch: ist er aufgeräumt oder chaotisch?
Aufgeräumt. Wenn ich keinen Platz habe, fühle ich mich eingeengt und als ob mir jemand die Luft abschnürt. (Das geht mir auch beim Essen so. Mein Teller muss frei stehen)

Auf Deiner Homepage haben wir gelesen, dass Du Dir eine Haushaltshilfe wünschst. Welche Hausarbeit machst Du besonders ungern? (Meike hasst das bügeln, Tine Bad/Küche putzen, da man nie ein Ende sieht)
Bad putzen. Definitiv. Es gibt nichts Undankbareres. Niemand sieht, dass du es gemacht hast, obwohl eine Heidenarbeit drin steckt und wenn es jemand bemerkt ist das auch kein Kompliment, denn dann war es nötig und du warst kurz vor dem Titel „Schlampe“.

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