Donnerstag, 18. Juni 2020

Mord in Sunset Hall

Großartig



von Leonie Swann

Gebundene Ausgabe: 448 Seiten
Verlag: Goldmann Verlag  (Mai 2020)
ISBN: 9783442315567
Genre: Krimi


Werbung (gemäß §2 Nr.5 TMG)
Vorab Hinweis: Zwar wurde uns ein kostenloses Exemplar zur Verfügung gestellt, dies hat aber keinerlei Einfluss auf meine nachfolgende Meinung.
 

Eine außergewöhnliche Senioren-WG bewohnt Sunset Hall. Hausbesitzerin Agnes teilt ihr Heim mit einigen ebenso betagten Mitbewohnern. So unterschiedlich sie auch sind, eines haben sie gemeinsam: sie wollen selbstbestimmt leben und sterben und nicht womöglich irgendwann in einem Pflege- oder Altenheim vor sich hinvegetieren. Zwar gibt es neben Hüftleiden und einer gewissen Vergesslichkeit auch diverse andere größere und kleinere Gebrechen, doch all das hindert die WG nicht daran, tatkräftig zu ermitteln. Schließlich ist nicht nur eine Nachbarin ermordet worden, auch in ihrem eigenen Schuppen liegt eine Tote.

Die Ermittlungen der Polizei zu überlassen, kommt einfach nicht in Frage. Stattdessen begibt sich die WG ganz allein auf Feindesgebiet, sprich das örtliche Kaffeekränzchen. Und gegen eine harmlose Spendensammlung (inklusive Befragung) kann ja nun wirklich niemand etwas haben...

Nachdem mich bereits die anderen Krimis von Leonie Swann begeistert haben (allen voran „Glennkill“) war schon bei der ersten Ankündigung klar, dass ich das neue Buch von ihr ebenfalls lesen muss. Auch wenn „Mord in Sunset Hall“ im Gegensatz zu „Glennkill“ oder „Gray“ kein Tierkrimi ist, kommt die Autorin natürlich trotzdem nicht ohne Tiere aus. Da gibt es zum einen Hettie, die Schildkröte, zum anderen Brexit, einen Wolfshund. Diesmal spielen die Tiere zwar keine Hauptrolle, dennoch gibt es einige Passagen aus Hetties Sicht, die mir sehr gefallen haben. Hettie ist genauso eigenwillig wie die übrigen Bewohner von Sunset Hall.

Neben Agnes mit ihrem Hüftleiden lernen wir die Yogabegeisterte Edwina kennen, Bernadette, deren Augenlicht nicht mehr funktioniert, die Neue, Charlie, Winston und natürlich den Marschall.

Der Krimi entwickelt sich eher gemächlich – was wunderbar zur Senioren-WG passt – und ich habe lange Zeit völlig im Dunkeln getappt was den Täter oder ein mögliches Motiv angeht. Letztlich haben sich ein paar meiner Spekulationen bestätigt, andere nicht. Es war spannend mitzurätseln und mehr als einmal musste ich sehr schmunzeln oder lauthals lachen. Manche Ideen waren einfach nur großartig. Ich sage nur: Kohlenkeller (mehr wird nicht verraten🙊). Und die Bezeichnung „formstabile Kreationen“ (z.B. S.55) für Edwinas Kekse finde ich einfach genial. Da weiß man doch gleich, was man auf dem Teller hat.

Neben dem unterhaltsamen Teil kommen auch ernstere Töne durch. Zum einen werden die altersbedingten Gebrechen nicht beschönigt, zum anderen geht es in Agnes WG ja auch um die Art und Weise, wie man seinen Lebensabend verbringen möchte. Überlegungen, der sich wohl irgendwann jeder von uns stellen werden muss.

Insgesamt hat mich „Mord in Sunset Hall“ begeistert (was schon allein daran zu erkennen, dass ich es erst gelesen habe und nun im Auto höre) und ich würde mich sehr freuen, falls Leonie Swann die WG nochmals auf Verbrecherjagd schickt.

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