Sonntag, 20. Dezember 2020

Der Mädchenwald

Spannend, aber nicht ganz rund

 

von Sam Lloyd

 
Verlag: Rowohlt Taschenbuch (Dezember 2020)
Broschiert: 448 Seiten
ISBN: 9783499001130
Genre: Thriller

 

Werbung (gemäß §2 Nr.5 TMG) 
Vorab-Hinweis: Zwar wurde mir ein kostenloses Exemplar zur Verfügung gestellt, dies hat aber keinerlei Einfluss auf meine nachfolgende Meinung. 

 

Elissa will nur kurz etwas aus dem Auto holen, als sie am helllichten Tag in einen weißen Lieferwagen gezerrt wird. Dann wird ihr schwarz vor Augen. Als sie wieder aufwacht befindet sie sich angekettet in einem feuchten, düsteren Kellerraum.

Elijah kennt den Keller unter der Erde und weiß von den Mädchen, die dort gefangen gehalten werden. Trotzdem erzählt er niemandem davon. Es ist nicht richtig, aber ihnen zu helfen, würde unvorhersehbare Konsequenzen für sein eigenes Leben haben.

Stattdessen besucht er Elissa im Keller und bringt ihr ab und zu etwas mit. Elissa ist schnell klar, dass sie nicht die Erste ist, die sich an diesem düsteren Ort wiederfindet und dass Elijah vermutlich ihre einzige Chance ist, lebend wieder herauszukommen. Sie versucht ihn zu manipulieren, doch Elijah ist schwer einzuschätzen und launisch, mal sprüht er vor Begeisterung, dann wieder ist er rasend schnell beleidigt. Auch wenn Elissa nichts unversucht lässt, sein Vertrauen zu gewinnen, bleibt auch Elijah misstrauisch und hat seine ganz eigenen Ideen…

„Der Mädchenwald“, wie Elijah in nennt, ist ein spannender Thriller. Der Autor Sam Lloyd schafft es, über das ganze Buch hinweg eine gewisse Grundspannung aufrecht zu erhalten. Man hofft mit Elissa, spürt ihre Angst und ihr Entsetzen und ihre Skepsis Elijah gegenüber. Auch er macht ihr Angst, aber er könnte ein Ausweg sein. Nie sieht sie ihn richtig, sie weiß nicht, wie alt er ist und was er mit ihrer Entführung zu tun hat.

Auch wir Leser werden was Elijah angeht lange im Dunkeln gelassen. Wir erleben ihn zwar auch außerhalb des Kellers, aber er ist nicht wirklich greifbar. Es ist klar: etwas stimmt nicht mit ihm, nur was?

Das Buch wird sowohl aus Elissas als auch aus Elijahs Sicht erzählt, was zusätzliche Spannung erzeugt. Zudem gibt es immer wieder Kapitel aus Sicht der leitenden Ermittlerin. Hier hätte für meinen Geschmack das persönliche Drama der Ermittlerin weggelassen werden können, die Geschichte braucht es nicht.

Auch andere Aspekte waren für mich nicht ganz rund. Was bezweckt der Entführer wirklich? Was hat ihn dazu gebracht so zu handeln, wie er es tut? Und wie ist er auf Elissa und die anderen Opfer gekommen? Alles Dinge, die ich gerne erfahren hätte, denn so bleibt alles irgendwie undurchdringlich und nicht greifbar.

Insgesamt für mich daher ein Thriller, der hauptsächlich durch seine düstere Stimmung punkten kann. Bei mir hat sie durchaus dazu geführt, dass ich das Buch nur ungern aus der Hand gelegt habe. Allerdings reicht das nicht, um mich vollends vom Mädchenwald zu überzeugen.

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