Freitag, 23. April 2021

Die Wahrheit der Dinge

Die Wahrheit liegt im Auge des Betrachters

von Markus Thiele

 
Verlag: Benevento (April 2021)
Gebundene Ausgabe: 240 Seiten
ISBN: 9783710900938
Genre: Roman

 

Werbung (gemäß §2 Nr.5 TMG) 
Vorab-Hinweis: Zwar wurde mir ein kostenloses Exemplar zur Verfügung gestellt, dies hat aber keinerlei Einfluss auf meine nachfolgende Meinung.
 

 

 

Strafrichter Frank Petersen ist überzeugt, dass seine Urteile stets wohlüberlegt und angemessen sind und vor allem einzig und allein auf den Gesetzen beruhen. Persönliche Befindlichkeiten spielen bei ihm keine Rolle. Trotzdem wird in seinem Gerichtssaal ein Angeklagter erschossen. Hätte er etwas merken müssen oder können? Trägt er womöglich eine Mitschuld daran, dass es so weit kommen konnte?

Diese Fragen haben ihn in den letzten Jahren nicht losgelassen und als er sich nach seinem letzten Urteil heftiger Kritik und Anschuldigungen ausgesetzt sieht, kommen all die alten Erinnerungen einmal mehr wieder hoch.

Nach „Echo des Schweigens“ bringt der Autor und Anwalt Markus Thiele einen weiteren Roman, in dem es um Recht und Gerechtigkeit geht, um Moral und vor allem auch um Schuld. Welche Aspekte dürfen bei einer Urteilsfindung eine Rolle spielen? Ist Petersen wirklich so frei von Vorurteilen, wie er selbst glaubt, oder hat seine Frau doch recht, als sie ihm Selbstherrlichkeit und Voreingenommenheit unterstellt. Kann jemand überhaupt frei von Vorurteilen sein oder liegen genau dort vielleicht auch die Grenzen des Rechtsstaats? Gibt es völlige Objektivität?

Während Petersen an sich selbst und seinem Urteilsvermögen zweifelt und versucht sein eigenes Verhalten zu reflektieren, ist er zudem bemüht herauszufinden, ob er die Tat damals hätte verhindern können und warum sie überhaupt geschah. Auch als Leser fängt man unwillkürlich an, sich seine eigene Meinung zu bilden, sein eigenes Urteil zu fällen – über Petersen, aber auch über die Fälle und die darin verwickelten Personen.

Neben Frank Petersen gibt es eine weitere Protagonistin: Corinna Maier, eben jene Frau, die den Angeklagten, den Mörder ihres Sohnes, erschossen hat. In vielen Rückblenden in das Jahr 1989/90 werfen wir einen Blick in ihre Vergangenheit und erfahren, was sie bis zu dem Zeitpunkt der Tat alles erlebt hat. Rassismus und wieder einmal die Frage nach Schuld und Gerechtigkeit begleiten ihre Geschichte. Und auch wenn ihre Tat trotz aller Umstände nicht zu rechtfertigen ist, bis zu einem gewissen Punkt kann man sie dennoch verstehen.

„Die Wahrheit der Dine“ ist reine Fiktion, allerdings hat der Autor doch Anleihen bei zwei realen Fällen genommen, auf die er im Nachwort kurz eingeht. Zum einen ist es der Fall der Marianne Bachmeier aus dem Jahr 1981, die damals im Gerichtssaal den mutmaßlichen Mörder ihrer Tochter erschoss, zum anderen der Fall des aus rassistischen Gründen getöteten Amadeu Antonio Kiowa, bei dem es allerdings nicht zu einer Mordanklage kam. Auch wenn natürlich vieles im Roman völlig anders ist, ist es sehr interessant, wie Markus Thiele die Fälle aufgreift und welch eigene Geschichte er darum spinnt.

Im Buch erfährt man erst nach und nach, wer eigentlich aus welchem Grund angeklagt war. Insbesondere Petersens letzter Fall wird erst recht spät eindeutig benannt. Auch wenn es ein wenig frustrierend war, lange Zeit nicht zu wissen, worum es ging, so hat dieser Punkt nichtsdestotrotz für mich die Spannung hochgehalten.

Obwohl die beiden Fälle durchweg präsent sind, handelt es sich bei „Die Wahrheit“ der Dinge nicht um einen Krimi, auch wenn der Klappentext vielleicht so gedeutet werden könnte. Es ist ein spannender Roman über einen vielleicht doch nicht ganz so unfehlbaren Richter, der zum Nachdenken anregt und der mir persönlich gut gefallen hat.

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