Sonntag, 6. Juni 2021

Die Stadt der Seher

Tolle Ideen, konnte mich aber nicht ganz überzeugen

von Christoph Hardebusch

 
Verlag: Klett-Cotta (Mai 2021)
Gebundene Ausgabe:  448 Seiten
ISBN: 9783608939187
Genre: Fantasy

 

Werbung (gemäß §2 Nr.5 TMG): Hinweis: Zwar wurde mir ein kostenloses Exemplar zur Verfügung gestellt, dies hat aber keinerlei Einfluss auf meine nachfolgende Meinung.

 

Marcos Leben lief bislang eher bescheiden, er schlägt sich auf den Straßen Vestonas gerade so durch. Während sich vor den Toren der Stadt eine große Armee immer weiter nähert, scheint sich hinter den dicken Mauern für Marco eine neue Perspektive aufzutun. Durch den Orden der Seher bekommt er die Chance, ein geregeltes Leben mit einem warmen Schlafplatz und regelmäßigen Mahlzeiten zu führen. Doch nach und nach kommen ihm Zweifel an den Absichten und Methoden des Ordens. Gemeinsam mit seiner neuen Freundin Elena, dem Erfinder Zalvado und dem Elben Caronix versucht Marco die Stadt zu retten. Doch wer ist der Feind? Der Orden, die Armee vor der Stadt? Beide?

Der Einstieg in Christoph Hardebuschs neues Buch fiel mir leicht. Marco wirkt auf Anhieb sympathisch, auch wenn man nicht allzu viel über ihn erfährt. Doch wenn man das Wenige betrachtet, dass wir über sein bisheriges Leben wissen, ist es kein Wunder, dass er sein Glück kaum fassen kann, als sich sein Schicksal zu ändern scheint. Auch seine wachsende Freundschaft zu Elena und die Bekanntschaft mit Zalvado und Caronix helfen ihm, einen neuen Weg einzuschlagen.

Marco ist der Protagonist der Geschichte, doch der Orden der Seher ist allgegenwärtig in der Stadt und drängt sich nicht nur in Marcos Leben. Dennoch erfährt der Leser relativ wenig über den Orden, seine Geschichte, seine Absichten und Ziele. Daher bleibt Vieles im Dunkeln und auch am Ende des Buches blieben bei mir leider noch viele Fragezeichen. Diese betreffen allerdings auch viele andere Aspekte des Buches. Es werden auch an mehreren Stellen Aussagen gemacht oder Dinge extra hervorgehoben, die im weiteren Verlauf des Buches entweder ohne Erklärung doch anders gehandhabt werden oder gar nicht mehr erwähnt werden.

Neben Marcos Geschichte gibt es einen weiteren Handlungsstrang. In diesem stehen Ombro und der schwarze Herzog Solare, der Befehlshaber der Armee, im Vordergrund. Doch auch bei diesen beiden fehlen einige Hintergrundinformationen zu den Figuren. So konnte ich über weite Teile des Buches hinweg wenig mit den Szenen mit Ombro anfangen.

Meine mit Abstand liebsten Charaktere waren Zalvado und Caronix. Der Erfinder Zalvado erinnert in vielen Punkten an Leonardo da Vinci und wenn man Zalvado und Caronix „zuhört“, hat man unweigerlich das Gefühl, die beiden seien ein altes Ehepaar. Ich musste mich nur ein wenig an Caronix Namen gewöhnen, da er in meinen Ohren im Vergleich zu manch anderem Buch nicht allzu elfisch klingt, dafür würde er perfekt in Universum von Asterix und Obelix passen 😉

Leider muss ich sagen, dass ausgerechnet etwa die letzten 20 Prozent des Buches, die Schwächsten für mich waren. Sicher waren sie spannend, doch die Elfen blieben für mich seltsam blass und alles ging mit einem Mal sehr schnell. Das ist zwar per se nicht schlecht, aber im Gegensatz zum restlichen Buch hatte ich nicht mehr alles wirklich vor Augen. Auf mich wirkte es so, als ob einfach alles irgendwie zu einem Ende gebracht werden musste.

Neben aller Kritik muss ich aber sagen, dass mir Christoph Hardebuschs Schreibstil gut liegt, er war maßgeblich der Grund, weshalb ich gespannt bis zum Ende gelesen habe. Seine Wortwahl und sein Satzaufbau haben mir sehr gefallen.

Insgesamt lässt mich „Die Stadt der Seher“ zwiegespalten zurück. Tolle Ideen, toller Stil, inhaltlich fehlt mir allerdings zu viel, um mich wirklich mitreißen zu können.

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