Mittwoch, 25. August 2021

Die Wunderfrauen: Freiheit im Angebot

 



ISBN : 9783596705641
Flexibler Einband : 432 Seiten
Verlag : FISCHER Taschenbuch
Erscheinungsdatum : 25.08.2021
Genre : Roman
 
 
Werbung (gemäß §2 Nr.5 TMG)
Vorab Hinweis: Zwar wurde mir ein kostenloses Exemplar zur Verfügung gestellt, dies hat aber keinerlei Einfluss auf meine nachfolgende Meinung
 
 


Die wunderbaren Wunderfrauen

 

Jede von ihnen war eigen, so dass sie manchmal aneinandergerieten, aber sobald eine von ihnen Sorgen hatte oder gar in Not war, standen sie füreinander ein.“ (S. 13)

Mit „Freiheit im Angebot“ geht die Ära der Wunderfrauen von Stephanie Schuster zu Ende. Über 3 Bücher und 20 Jahre (von Mitte der 50er bis Mitte der 70er) habe ich Luise, Marie, Annabel und Helga begleiten dürfen, habe mit ihnen gebangt, gehofft, gelitten, geliebt, gelebt und gelacht und lasse sie jetzt nur ungern gehen.

Fast jede Leserin wird sich mit einer von ihnen besonders identifizieren können. Luise ist immer für alle da und kommt selber oft zu kurz. „Luise lief das ganze Jahr Marathon. Bloß kam sie nie irgendwo an. Ständig begann alles von vorn, jeder zerrte an ihr … Es gab kein Entkommen.“ (S. 50) Sie kann ihren Traum vom eigenen Geschäft nicht loslassen, auch wenn es wegen der Supermärkte immer schlechter läuft. Und obwohl die Liebe längst vorbei ist und ihr Mann sie immer wieder enttäuscht, trennt sie sich nicht von ihm. Schafft sie mit Hilfe ihrer Freundinnen den Absprung in ein neues Leben?

Maries Traum von der großen Liebe bis ins hohe Alter ist mit dem frühen Tod ihres Mannes geplatzt. „Für sie gab es nichts mehr zu fühlen, für sie gab es keine Freude. Alles, was ihr blieb, war, für ihre Kinder da zu sein und den nächsten Tag zu überstehen.“ (S. 171) Sie kümmert sich rührend um ihre große Familie, zu der auch die pflegebedürftige alte Tante und ihr mongoloider Schwager gehören, hat den Bauern- erfolgreich zum Reiterhof umgestaltet und weitere Pläne. Aber um wieder glücklich zu werden, muss sie endlich Abschied von Martin nehmen, neuen Mut fassen und nach vorne sehen.

Annabel war für mich immer etwas unscheinbar, hat sich im Hintergrund und ihrem Mann den Rücken freigehalten, obwohl dieser seine Geliebte nie vergessen konnte. „Es fühlte sich an, als führten sie eine Ehe zu dritt. Konstantin, sie und eine Tote, die sein Herz auf ewig in Beschlag genommen hatte.“ (S. 32) Dabei ist sie eine starke Kämpferin, will ein normales Leben für ihre behinderte Tochter, deckt alte Vergehen auf und will dieses Unrecht sühnen. Und mithilfe ihrer Freundinnen und ihrer Schwiegermutter entzieht sie sich langsam endlich auch der Bevormundung ihres Mannes und findet ihre eigene Stimme.

Ich habe Helga immer am meisten bewundert. „Noch nie eine echte Frau gesehen?“ (S. 26) Sie polarisiert und sorgt für Aufsehen, ist frech, wild, will sich nicht anpassen oder für ihren farbigen Sohn David schämen, den sie allein großgezogen hat. Sie bekommt ein berufliches Angebot, für das andere sicher morden würden – aber ist es auch das, was sie will?! Außerdem mischen sich ihre Eltern nach fast 20 Jahren wieder in ihr Leben ein. Und dann ist da noch das Geheimnis, dass sie noch nicht mal ihren Freundinnen gebeichtet hat, weil es sicher alles ändern würde …

Luise, Marie, Annabel und Helga sind zusammen erwachsen, älter und reifer geworden. Die ersten Kinder werden flügge und die 4 Frauen überdenken die Pläne für ihr weiteres Leben.

 

Stephanie Schuster schreibt extrem fesselnd und lässt die 70er Jahre wieder lebendig werden: die Mode und Frisuren, Lebensmittel und Gerichte, die Modernisierungen im Haushalt und Handel, das langsame Sterben der Krämerläden, die gesellschaftlichen und politischen Umbrüche, den Wandel im Scheidungsrecht und den Kalten Krieg. Sie schlägt im letzten Band der Reihe eine Brücke vom Starnberger See bis nach Paris und Ost-Berlin, von den Gräueltaten während des 2. WKs über das Attentat bei den olympischen Spielen in München bis zu den Weltjugendspielen in der DDR und lässt so alle Protagonisten noch einmal auferstehen, verknüpft offene Fäden und schafft einen würdigen Abschluss.

 

Das Buch ist eine Ode an die Freundschaft und handelt von Abschieden und Neuanfängen. Es hat mich wieder sehr berührt und die Gänsehaut ist auch nach dem Ende noch da. Ganz großes Kino.


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