Vor einigen Monaten haben wir gemeinsam den ersten Band der Reihe mit dem Titel „Im Nordwind“ gelesen, der mit fiesen kleinen Cliffhangern endete. Wir wollten wissen, wie es mit Alice und ihrer kleinen Tochter Rose weitergeht und ob die Liebe zwischen Alice und John eine Chance hat. Der zweite Band schlummerte schon eine Weile auf unserem SuB.
Worum geht es in Band 2 : Wir blicken ins Jahr 1914 nach Hamburg. Die kleine Rose ist immer noch verschwunden und Alice ist schon ganz krank vor Sorge. Ihr gewalttätiger Mann Henk hat Rose „abgegeben“, weil er keine Zeit und Lust hat, sich um sie zu kümmern. Henk versucht alles, um Alice zu schaden, die inzwischen als Dienstmädchen bei Johns Familie arbeitet. John muss standesgemäß heiraten und ist entschlossen, mit Evelyn eine Ehe einzugehen. Aber wie soll das funktionieren, wenn er Alice jeden Tag begegnet.
Patno: Ach, ich habe so auf die Fortsetzung gefreut. Miriam Georg schreibt wieder lebendig. Besonders gelungen finde ich die Einbindung der historischen Hintergründe und die Auseinandersetzung mit der Rolle der Frau in der damaligen Zeit. Es ist schon erschreckend, wie viel Macht die Ehemänner damals hatten. Und doch fesselt mich die Geschichte diesmal nicht ganz so. Es ist manchmal etwas durcheinander. Ich mag es generell nicht, wenn von jedem die Träume erzählt werden und du merkst es als Leser eine halbe Seite später. Aber insgesamt ist es diesmal sehr viel Drama …
Hasi: Das stimmt, an Drama ist die Handlung kaum zu überbieten. Nicht nur Alice ist verzweifelt, weil ihr Mann Henk ihr ihre Tochter weggenommen und versteckt hat, damit sie den Scheidungsantrag zurückzieht, auch bei den Reevens jagt ein "Unglück" das nächste. Ohne zu viel zu verraten, an einem bestimmten Punkt dachte ich: Wenn das so weitergeht, sind am Ende alle tot. Kaum ein Paar scheint sich zu lieben oder wenigstens zu tollerieren, Mordpläne werden geschmiedet.
John Reven und seine Verlobte Evelyn stehen kurz vor der Hochzeit, weil sie nicht ehrlich zueinander sind und sich nicht trauen, sie abzusagen. Dabei liebt John Alice.
Patno: Genau das ist mir auch beim Lesen durch den Kopf gegangen. Der Roman entwickelt sich zum Krimi. Auch bei Johns Bruder und seiner Schwester hängt der Haussegen schief. Der langsame Zerfall einer ganzen Familie. Ich hatte auch Schwierigkeiten mit dem Vergangenheitsstrang. Stellenweise bin ich da nicht mehr mitgekommen, weil es da plötzlich um zwei Frauen ging. Gerade zum Ende hin wirkt die Geschichte so gehetzt. Die Autorin springt in der Zeit hin und her. Für mich entstand im Kopf ein ziemliches Wirrwarr, nicht immer glaubhaft.
Hasi: Es war sehr konstruiert, Miriam Georg wollte zu viel. Ein paar der Stränge hätte man weglassen oder straffen können. Aber wie du schon gesagt hast, die historischen Hintergründe waren spannend, vor allem, wenn es um die Rollen und Rechte von Frauen in der Gesellschaft ging und wie viel Macht ihre Männer über sie und die Kinder hatten. Aber wir können so viel verraten, dass das Buch positiver ausgeht, als erwartet.
Patno: Ich fand es auch interessant, dass die Autorin die Krankheit „Lepra“ thematisiert hat. Das muss furchtbar gewesen sein, an dieser Krankheit systematisch kaputt zu gehen. Kannst du dir vorstellen, dass manchen Patienten Gliedmaßen abgefallen sind. Schrecklich. Zum Glück ist diese Krankheit seit den 1940er Jahren heilbar. Aber es ist doch erstaunlich, dass es damals nur ein einziges Lepraheim in Europa gab.
Hasi: Apropos Lepra, ich habe übrigens Ende Dezember einen Artikel gelesen, dass Lepra auch in Europa zurück ist. Zm Glück ist sie inzwischen heilbar.
Patno: Ich habe auch ein bisschen gegoogelt. In Deutschland gibt es wohl im Durchschnitt nur einen Fall pro Jahr, aber weltweit erkranken immer noch ca. 200000 Menschen.
Obwohl „Im Nordlicht“ unserer Meinung nach nicht ganz an den ersten Band der Reihe „Im Nordwind“ herankommt, ist die Sturmland-Saga lesenswert.

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