Donnerstag, 11. Juni 2026

Einsteigen! Türen schließen! Wir begeben uns auf eine Reise, die alles verändert…

 
Kommt mit auf „Die Mitternachtsreise“  
Der Mitternachtszug startet am Sonntag, den 15. Juni 00.01 Uhr. 
Stellt euch vor, auf dieser Zugreise zieht plötzlich euer Leben im Zeitraffer an euch vorbei. 
Was würdet ihr anders machen und welches Ereignis möchtet ihr noch einmal erleben? 
Welche Menschen sind euch wichtig? 
Auf eurer Reise werdet ihr Wilbur begegnen. Er liebt Bücher und lebt den Traum von der eigenen Buchhandlung. 

Hasi: Also das war ja wirklich eine sehr interessante Reise - auch wenn mich die Grundidee an "Sofies Welt" von Jostein Gaarder erinnert hat. Da geht es ebenfalls um Realität und Fiktion und unsere Wahrnehmung. Matt Haig erweitert das noch um unser Verständnis von Zeit und moralische Aspekte - sehr interessant und echt toll geschrieben. Was wäre, wenn wir unser Leben nochmal erleben dürften, um unsere Fehler zu verstehen, aber nicht eingreifen können?! Also ich wüsste so 2-3 Sachen, die ich ändern würde. Wie ist das bei Dir, Patno?

Patno: Ach ja Hasi, natürlich würde auch ich auch einige Dinge anders machen, könnte ich noch einmal den Rückwärtsgang einlegen und ich muss gestehen, dass ich darüber während des Lesens ziemlich lange nachgedacht habe. Leider kenne ich „Sofies Welt“ nicht, um einen Vergleich zur Mitternachtsreise zu ziehen. Du weißt ja, dass ich ein großer Fan von Matt Haig bin. Nachdem mich „Die Unmöglichkeit des Lebens“ nicht so begeistern konnte, hat er mit diesem Buch meine Erwartungen übertroffen.  Ich fand die Geschichte geschickt ausgetüftelt mit einem überraschenden Ende. Und ich habe mir ganz viele kluge Sätze aus dem Buch notiert. Wie hast du die Figur „Wilbur“ empfunden? 
 
Hasi: Sofies Welt musst Du unbedingt lesen, ich lege es Dir mal auf Deinen Rentenstapel 😉.
Wilbur habe ich als sehr zwiespältige Figur empfunden. In seiner Kindheit und Jugend musste er zwei schwere Verluste verkraften, zudem prägte ihn der ständige Hunger in der Nachkriegszeit. Daher ist es gut nachvollziehbar, dass er sich für sich und Maggie ein besseres Leben mit finanzieller Sicherheit wünscht. Leider erkennt er erst sehr spät, dass er seinen geschäftlichen Erfolg über seine Ehe und seine engsten Freunde stellt. Obwohl ihm bewusst ist, dass sein Verhalten nicht richtig ist, gelingt es ihm nicht mehr, etwas daran zu ändern. Erst im Mitternachtszug wird ihm dies endgültig klar, und er versucht, sein Leben rückwirkend zu korrigieren. Dieser Handlungsbogen hat mir sehr gut gefallen.

Patno: Dass Wilbur ein Bücherwurm ist, hat mir besonders gut gefallen. Ach, so eine eigene Buchhandlung ist doch ein schöner Traum. Ich wäre wohl mein bester Kunde 🤣. Es ist klasse, wie Matt Haig mit seiner Figur spielt, wie er ihn auf immer neue Herausforderungen reagieren lässt. Man kommt gar nicht drumherum über das eigene Leben nachzudenken. Ging es dir beim Lesen auch so? Aber generell die Vorstellung, dass du nach deinem Tod noch einmal im Zeitraffer in Form einer Zugreise dein Leben an dir vorbeiziehen lassen könntest ist doch irgendwie reizvoll. Mag ich. 
 
Hasi: Also wenn wir eine Buchhandlung hätten, müssten wir die Bücher doch gar nicht mehr kaufen - es gibt doch Leseexemplare 😆. Und wenn wir sie doch kaufen, können wir sie garantiert als Arbeitsmaterial von der Steuer absetzten, wir müssen ja informiert bleiben. Aber wenn wir Pech haben, geht es uns am Ende dann so wie Wilbur und wir kommen vor lauter Arbeit gar nicht mehr zu Lesen, das fand ich echt traurig. 
Apropos Wilbur, Maggie hat mich fast noch ein bisschen mehr beeindruckt. Sie hat ihm jahrelang den Rücken freigehalten und immer gehofft, dass er sich an sein Versprechen erinnert und auf ihre Ehe zurückbesinnt und dann trotzdem irgendwann die Reißleine gezogen und endlich wieder ihre Bedürfnisse vorangestellt. 

Patno: Oh ja, du hast recht. Maggie ist eine tolle Frau. Ich mochte ich auch sehr. Das Ende der Geschichte fand ich genial inszeniert. Damit hatte ich gar nicht gerechnet. Die Mitternachtsbibliothek hat mir damals schon sehr gefallen, aber dieses Buch gefällt mir insgesamt sogar noch etwas besser.  Und Hasi, die Vorstellung mit dir gemeinsam eine Buchhandlung zu führen gefällt mir. 
 
Wer philosophische Gedankenspiele, einen Hauch von Magie und Geschichten über die großen Fragen des Lebens schätzt, wird sich gerne auf diese besondere Reise begeben. Für uns ist „Die Mitternachtsreise“ eine berührende und nachdenkliche Lektüre, deren Wirkung noch lange nach der letzten Seite anhält – ein echtes Highlight. 

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