ISBN : 9783745934878
Taschenbuch : 272 Seiten
Verlag : Edition Michael Fischer / EMF Verlag
Erscheinungsdatum : 11.08.2026
Genre : Krimi
Werbung (gemäß §2 Nr.5 TMG)
„… im ganzen Tal starb plötzlich ein Zugezogener nach dem anderen!“ (S. 183)
Marciella hat lange in Deutschland gelebt, ist aber vor zehn Jahren gemeinsam mit ihrem Sohn Domenico in ihr Heimatdorf Dolceacqua in Ligurien zurückgekehrt. Domenico ist ihr ganzer Stolz: Maresciallo der Carabinieri, 34 Jahre alt – und natürlich noch immer nicht in der Lage, sein Privatleben ohne die tatkräftige Unterstützung seiner Mama zu organisieren. Mit den Frauen will es nämlich nicht so recht klappen. Auch seine neueste Flamme Rosina fällt bei Marciella prompt durch. Sie entspricht nicht ihren Vorstellungen und scheint außerdem über ihre Herkunft und Verwandtschaft zu schwindeln. Na, wenn das mal kein Fall für Mama ist!
Doch bevor Marciella Rosina genauer unter die Lupe nehmen kann, sorgen mehrere Todesfälle im Dorf für Ablenkung. Die Opfer sind relativ jung und haben noch etwas gemeinsam: Sie stammen nicht aus Dolceacqua werden zur Beerdigung in ihre Heimatorte überführt. Domenico sieht keinen Grund, sich näher damit zu beschäftigen. Also muss Mama selbst ran. Und so ermittelt die italienische Miss Marple zwischen Pasta, Familienangelegenheiten und Dorfklatsch munter drauflos.
„Abfahrt ins Jenseits“ ist der Auftakt einer neuen Reihe von Salvatore Simonetti und punktet vor allem mit seinem herrlich italienischen Setting. Bei den Beschreibungen von Dolceacqua, dem ligurischen Lebensgefühl und den landestypischen Spezialitäten bekommt man sofort Lust, die Koffer zu packen – am besten mit leerem Magen, damit auch ordentlich Platz für Pasta, Pesto & Co. bleibt.
Marciella mochte ich auf Anhieb. Sie ist die personifizierte italienische Mama, bekocht ihren erwachsenen Sohn, mischt sich ungefragt in sein Liebesleben ein und weiß selbstverständlich alles besser. Nur eines hat mich irritiert: Als gebürtige Italienerin radebrecht sie stellenweise so stark, dass man sich fragt, ob sie tatsächlich so lange in Deutschland gelebt hat oder ob hier einfach ein bisschen zu dick aufgetragen wurde.
Domenico blieb dagegen eher blass, was angesichts seiner Mama vielleicht auch gar nicht so einfach ist. Dafür bekommt Marciella mit ihrem Untermieter Harry einen ausgesprochen unterhaltsamen Sidekick. Der Deutsche stammt aus gutem Hause und ist in seiner Jugend in Dolceacqua gestrandet. Dort widmet er sich seither der Malerei – mit tatkräftiger Unterstützung diverser bewusstseinserweiternder Substanzen. Ein ziemlich spezieller Typ, der definitiv für Farbe im Ermittlerteam sorgt.
Der Fall selbst entwickelt sich eher gemütlich, was durchaus zum italienischen Lebensgefühl passt. Die Auflösung konnte mich allerdings nicht ganz überzeugen. Für meinen Geschmack wurde es bei den Ermittlungen außerdem an einer Stelle etwas zu kreativ: Einer bereits seit mehreren Tagen toten Leiche noch Blut abzunehmen, gehört dann doch eher in die Kategorie „Bitte nicht nachmachen!“.
Wer bei einem Krimi nicht alles auf die Goldwaage legt und sich gerne von einer resoluten italienischen Mama durch einen Mordfall lotsen lässt, dürfte mit „Abfahrt ins Jenseits“ trotzdem seinen Spaß haben. Denn eines steht fest: Wenn Domenico seinen Fall nicht lösen will, dann muss eben Mama ran – und die lässt sich bekanntlich nicht so leicht abwimmeln.

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