„Ich schnappe mir den Hammer und nagel die Sim-Karte an die Wand.“ (S. 11)
Eine Frau Ende 30 lässt alles hinter sich, fährt an den Flughafen, nimmt spontan den ersten Flieger und landet in Athen. Dort stößt sie am Gepäckband mit einer Frau zusammen, die sie nach Kefonisi zu Verwandten schickt. Sie, die Namenlose, strandet in Heras kleiner Strandbar, arbeitet für Kost und Logis, freundet sich mit einer Ziege, findet wieder zu sich selbst und bekommt bei Neumond endlich einen Namen - Nea.
Wenn man sich auf "Über der Brandung" von Franziska Jebens einlässt, sollte man offen für moderne Hexen, Übersinnliches und Selbstfindung sein.
Patno: Spontan sein, klingt gut und in Griechenland lässt es sich auch gut abschalten. Ich mag das Land und die Leute und unsere Heldin scheint sich auch von Tag zu Tag dort wohler zu fühlen. Die Geschichte liest sich locker weg. Die Landschaftsbilder finde ich klasse. Nea findet ja schnell Anschluss und die Frauentruppe ist schon ein wilder Haufen. Darf ich dir mal sagen, dass Hera ist für mich auch eine beeindruckende Frau. Was sie über Kräuter weiß, ist schon beachtlich. Aber sag mal Hasi, wie cool ist bitte Meltemi die Ziege. Ich bin schockverliebt in dieses Tier. Da brauchst du doch keinen Hund mehr, oder?
Hasi: Die Idee mit der Ziege ist super - die könnte meinen Rasen kurz halten und dürfte dafür zum Kuscheln auf die Couch kommen.
Ich war übrigens noch nie in Griechenland, aber das ist diesen Sommer schon das zweite Buch, was dort spielt und die Landschaft und das Meer klingen einfach traumhaft.
Mir hat Hera sogar etwas besser gefallen als Nea, weil sie nahbarer war. Sie hat zwar auch nicht viel von sich preisgegeben, sich aber sehr um andere gekümmert. Ich fand es toll, wie sie Nea an die Hand genommen und ihr eine Alternative zu ihrem bisherigen Leben aufgezeigt hat, ganz ohne große Worte. Hilfe zur Selbsthilfe, sozusagen.
Wie fandest Du eigentlich die Männer in der Geschichte? Die blieben ja eher Randfiguren.
Patno: Es ging der Autorin sicher in erster Linie um die Frauenbilder, aber tatsächlich schienen mir persönlich die Männer auch etwas blass inszeniert. Hier hätte ich mir etwas mehr Tiefe gewünscht. Aber eine Szene fand ich besonders interessant. Da habe ich sogar gegoogelt. Ich hatte noch nie etwas vom Goldenen Henkel des Mondes gehört. Mein Sohn war gerade auf der Suche nach einem spannendes Thema für seine Hausarbeit und als ich meiner Familie von dem Phänomen berichtete, war er sofort Feuer und Flamme. Das Buch wird mich also gedanklich noch eine Weile begleiten. Wie hat dir der Roman insgesamt gefallen?
Hasi: Mir hat es insgesamt ganz gut gefallen. Ich habe zwar keine mystische Ader und finde, man kann sich auch zu sehr selbst reflektieren, aber ich mochte den Zusammenhalt der Frauen, ihre gegenseitige Unterstützung, Neas Entwicklung, Meltemi und die Beschreibungen der Landschaft und des Meeres. Vom Schwalbennest bin ich immer noch beeindruckt, auch wenn ich mich aufgrund meiner Höhenangst leider nicht reintrauen würde. Und Du?
Patno: Im Grunde genommen habe ich es ähnlich empfunden, allerdings war es mir manchmal ein bisschen viel des Guten. Tolle Landschaft, tolle Frauen, tolle Männer, Selbstfindung usw. Ich hätte mir etwas mehr Konflikte und Spannungsmomente (wie z.B. die Szene mit Meltemi in Not) gewünscht. Es war für mich ein gutes Buch, aber eben kein Highlight.
Ein Roman zum Abschalten, Träumen mit starken Frauen, Griechenlandfeeling und einer besonderen Ziege.

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