Dienstag, 1. September 2026

Gold aus der Wiener Werkstätte

 

Seit 2014 vergibt der Verein “Homer-Historische-Literatur” den Preis für den besten historischen Roman. Wir Blogger haben die Ehre, Euch die dafür nominierten Romane und ihre Autoren vorzustellen.  
Ich möchte Euch heute im Rahmen unserer Aktion der #bloggerfürhomer Beate Malys "Gold aus der Wiener Werkstätte" vorstellen. 


Teuflischer Schmuck 

 

Wien 1906: Polizeiagent Max von Krause wird von Oberkommissar Sobotka zu einem Mord ins Hotel Kaiserkrone zitiert. Der Fall darf auf keinen Fall an die Presse durchsickern, schließlich ist der Hotelier mit Sobotka verwandt. Ein weiblicher Hotelgast wurde grausam ermordet. In der Blutlache entdecken die Ermittler eine Kette aus den Wiener Werkstätten – doch handelt es sich dabei um ein Original oder eine Fälschung? Und dann ist da noch der auffällige Geruch nach Schwefel. Der Polizeiarzt ist überzeugt: „Hier war ein Teufel am Werk.“ (S. 28)

Max bittet Liliane Feigl um Hilfe, die er bereits aus einer früheren Ermittlung kennt. Lili erkennt die Kette sofort – sie hat das Design entworfen. Der ausführende Silberschmied kassierte jedoch Ruhm und das Geld und könnte unerlaubt Kopien angefertigt haben. Doch der Mann ist verreist.

Unterdessen sorgt der Prozess gegen die Bordellbesitzerin Regine Riehl für Schlagzeilen. Die Tote war eines ihrer Mädchen und hatte es geschafft zu fliehen.

Dann wird eine weitere Frau ermordet – auf ebenso grausame Weise. Wieder findet sich die identische Kette, wieder liegt Schwefelgeruch in der Luft.

 

„Gold aus der Wiener Werkstätte“ ist bereits der zweite Fall der Reihe. Obwohl ich den Vorgänger nicht kenne, habe ich mich sofort zurechtgefunden. Beate Maly stellt ihre Protagonist*innen zu Beginn kurz vor, sodass man sie schnell kennenlernt und auch erfährt, was sie bisher erlebt und wie sie sich entwickelt haben.

 

Ich mochte Max und Lili sofort. Die beiden könnten kaum unterschiedlicher sein und haben doch einiges gemeinsam. Max stammt aus gutem Haus. Allerdings hat sein Vater vor seinem Tod den größten Teil des Vermögens verspekuliert. Nun leben Max und seine Mutter vor allem von ihrem Einfluss und seinem Gehalt. Seine Mutter hält ihm trotzdem regelmäßig vor, dass er nach seinem Jurastudium ausgerechnet Polizist geworden ist, anstatt in einer angesehenen Kanzlei zu arbeiten. Auch mit seinem Vorgesetzten gerät Max immer wieder aneinander, denn Sobotka verdankt seine Position weniger seinen Fähigkeiten als seinen guten Verbindungen. Entsprechend wenig begeistert ist er von Max' modernen Ermittlungsmethoden, wie Fingerabdrücken oder gar Tatortfotografien, und versucht immer wieder, ihn auszubremsen.

Lili hat ihr künstlerisches Talent von ihrem Vater geerbt, einem begabten Maler, der allerdings auch Alkoholiker und Spieler ist. Seine Schulden bezahlt er häufig mit dem Anfertigen von Fälschungen, bei denen Lili ihn tatkräftig unterstützen muss, was Max zum Glück nicht weiß. Als sich Max und Lili kennengelernt haben, musste Lili ihr Essen noch stehlen. Inzwischen arbeitet sie als Putzkraft bei den Wiener Werkstätten und unterstützt die Künstler immer wieder bei ihren Entwürfen, ohne dafür bezahlt zu werden.

 

Die Chemie zwischen Lili und Max stimmt einfach. Beide sind intelligent, neugierig und leider auch ein wenig unvorsichtig, wenn es um ihre Ermittlungen geht.

 

Besonders gut gefallen hat mir der Wiener Schmäh, den Beate Maly in die Geschichte einfließen lässt: der charmante Dialekt, bei dem ich beim Lesen sofort die Stimme des Hörbuchsprechers Cornelius Obonya im Kopf hatte, und dazu eine ordentliche Portion trockener Humor.

 

Der Krimi beruht auf einem wahren Fall. Den Prozess gegen Regine Riehl gab es tatsächlich, die historischen Hintergründe sind geschickt in den fiktiven Kriminalfall eingebunden. Besonders interessant fand ich den Hinweis darauf, dass die Namen der Künstlerinnen der Wiener Werkstätten damals tatsächlich nicht genannt wurden.

 

Ein spannender historischer Krimi mit sympathischen Hauptfiguren, viel Wiener Atmosphäre und einem interessanten Einblick in die Geschichte der Wiener Werkstätten. Für mich macht der Fall definitiv Lust darauf, auch den Vorgänger zu lesen.



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