Donnerstag, 22. Februar 2018

Die Akte Baader

Buchdetails:

Erscheinungstermin Erstausgabe: 07.02.2018

Aktuelle Ausgabe: 07.02.2018

Verlag: Gmeiner-Verlag

ISBN: 9783839222003

Taschenbuch: 313 Seiten

Genre: Roman (biografisch)








Aufgewachsen in der DDR, kannte ich den Namen Andreas Baader nur aus der Tagesschau. Bilder des Schreckens, die sich im Kopf manifestierten! Obwohl ich noch relativ jung war, kann ich mich z.B. an die Berichterstattung zur Entführung und Ermordung von Hanns Martin Schleyer erinnern. In der Schule war dieses Thema aus dem nichtsozialistischen Ausland tabu, was mein Interesse daran nur verstärkte.

Als ich im Programm des Gmeiner Verlags Stefan Schweizers biografischen Roman „Die Akte Baader“ entdeckte, war ich sofort Feuer und Flamme. 
Mir war klar, dass es sich um eine Verflechtung fiktionaler Gedanken mit zeitgeschichtlichem Faktenwissen handeln würde und ich war sehr gespannt, wie Stefan Schweizer der Spagat zwischen einem Sachbuch und einem Roman gelingen würde. 

„Die unzähligen, endlosen und einsamen Nächte waren für Andreas Baader das Schlimmste.“

Der erste Satz dieses Buches sagt meines Erachtens schon sehr viel über den exzentrischen Menschen Andreas Baader. Oft muss er solche Nächte erlebt haben, was sich in seiner panischen Angst vor dem Gefängnis wiederspiegelte.
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Nachdem der Vater im Krieg verschollen ist, wächst Andreas beinahe verhätschelt in einem Frauenhaushalt auf und rebelliert bereits in frühester Kindheit gegen alles und jeden. Schule und Beruf sind ihm ein Graus. Früh neigt er zur Gewalttätigkeit, begeht Straftaten und ist geradezu machtbesessen. 
Damit legt er den Grundstein für seine Karriere als Top Terrorist und Staatsfeind Nr. 1. 
Viele Verschwörungstheorien gibt es um den Gründer der Roten Armee Fraktion, beginnend mit seiner Mitgliedschaft bei der Kommune 1, über die Liquidierung von Widersachern in den eigenen Reihen bis hin zu Baaders mysteriösen Tod in der JVA Stuttgart-Stammheim. 

Stefan Schweizer chronologisiert das Leben des Andreas Baader von der Kindheit bis zu seinem Tod im Oktober 1977.   
Aus der neutralen Erzählperspektive beschreibt Schweizer das Geschehen. Dabei spricht er oft von „Andreas“ und lässt somit den Leser an dessen Gefühls-und Gedankenwelt teilhaben. Vermutlich hat der Autor über die Faktenlage hinaus eigene Theorien über das Leben dieses gewaltbereiten Revolutionärs entwickelt und ich finde es spannend, wie er diese im Roman verarbeitet hat. 
Am Ende des Buches hatte ich meine ziemlich konkrete Vorstellung von dem Mensch Andreas Baader. Mir erschloss sich ein schockierendes Bild von einem sprunghaften und gewissenlosen Mann, der es geschafft hat, mit seinem Charisma andere Menschen in seinen Bann zu ziehen, sie zu manipulieren und zu benutzen. Alkohol und Drogen konsumierte Andreas wie Schokolade. Im Rauschzustand sank offensichtlich seine Hemmschwelle, was ihn für mich noch gefährlicher machte. Er kannte keine Grenzen, hielt sich für unbesiegbar und neigte zur maßlosen Selbstüberschätzung. Dabei war er vermutlich nicht einmal besonders intelligent. Baader wollte als Racheengel und Rebell in die Geschichte eingehen. Letzteres ist ihm gelungen.
Mir ist es ein Rätsel, wie es ihm gelang, intellektuelle Menschen wie Journalisten, Rechtsanwälte oder Schriftsteller für seine terroristische Vereinigung zu gewinnen. Ein Fanatismus, der für mich schwer zu begreifen ist. 

Stefan Schweizer schafft es außerdem, die Atmosphäre der damaligen Zeit eindrucksvoll in Szene zu setzten. Das schafft Authentizität.

„Die Akte Baader“ konnte mich durchweg fesseln. Ein interessanter, informativer und real wirkender, biografischer Roman, der meine 5 Sterne Leseempfehlung verdient. 






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