Mittwoch, 21. Februar 2018

Frau Einstein





  • Erscheinungsdatum Erstausgabe : 15.02.2018
  • Verlag : Kiepenheuer & Witsch
  • ISBN: 9783462049817
  • Fester Einband 368 Seiten
  • Genre: biographischer Roman
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Vorab Hinweis: Zwar wurde mir vom Verlag ein kostenloses Leseexemplar zur Verfügung gestellt,  dies hat aber keinerlei Einfluss auf meine nachfolgende Meinung!



Der Pakt

1897 schließen zwei Frauen in Zürich einen Pakt: Mileva Maric, Studentin der  Mathematik und Physik, und Helene Kaufler, Studentin der Geschichte wollen eine gemeinsame Zukunft, ohne Ehemänner. „Selbst wenn wir gern heiraten würden – warum sollten wir? Wir werden ... gut ausgebildete berufstätige Frauen sein. ... Wir werden ein werden einander haben und unsere Arbeit. Wir sind nicht darauf angewiesen, den traditionellen Weg zu gehen.“ (S. 62)
Für beide war es ein langer Weg bis dahin. Eine weiterführende Bildung für Frauen an einem Gymnasium oder gar einer Hochschule / Universität gab es nicht – sie wurden schlichtweg nicht zugelassen. Schließlich lag ihre gesellschaftliche Aufgabe darin, sich um ihren Mann, die Kinder und den Haushalt zu kümmern.

Mileva hat von Geburt an ein Hüftleiden und ihre Eltern machen ihr schon früh klar, dass sie damit auf dem Heiratsmarkt keine Chance hätte. Zum Glück ist sie überdurchschnittlich intelligent und wird durch ihren Vater gefördert.
Sie studiert Mathematik und Physik, findet sie zum ersten Mal im Leben Freundinnen, die genau so sind wie sie. Doch die Anerkennung ihrer männlichen Kommilitonen und Professoren muss sie sich hart erarbeiten, dabei überflügelt sie diese bald. Einzig ihr Mitstudent (Albert) Einstein scheint sie von Anfang an ernst zu nehmen und macht ihr schon bald den Hof. Sie bricht den Pakt mit Helene.

Beim Lesen hab ich mich immer wieder gewundert, wie gutgläubig Mileva gewesen sein muss. Sie darf Albert zwar bei den Berechnung helfen bzw. geht man heute davon aus, dass sie sogar den Anstoß zur Relativitätstheorie gab, doch Albert veröffentlicht die gemeinsamen Arbeiten nur unter seinem Namen. Außerdem hat er Affären. Sie ist enttäuscht von ihm, aber sie bleibt – weil sie seinen Beteuerungen glaubt und wegen der Kinder. Es war erschreckend, ihre Selbstaufgabe, Enttäuschung und Erniedrigung mitzuerleben. Er nimmt ihr den Erfolg, die Würde und das versprochene gemeinsame (Arbeits-)Leben. Am Ende ist sie eine gebrochene Frau.

Albert Einstein kommt in diesem biographischen Roman nicht wirklich gut weg, aber die Historie scheint das zu bestätigen. War er überhaupt in Mileva verliebt oder brauchte er sie nur für seine Berechnungen? Er scheint extrem egoman gewesen zu sein, strafte sie immer wieder mit Missachtung, beleidigte sie oder verschwand für Tage, wenn ihm etwas nicht passte. Am Ende habe ich ihn regelrecht gehasst – Genie hin oder her. Er hat sie jahrelang ausgenutzt, ihre Entdeckungen als seine ausgegeben und soviel Empathie entwickelt wie eine Eintagsfliege (hoffentlich beleidige ich die Fliege jetzt nicht). Er bekam den Nobelpreis, während sie die brave Hausfrau spielen musste. Egal wie die Zeiten damals waren, ich habe nicht verstanden, dass sie trotz dieser Umstände bei ihm blieb. Ich wäre zu stolz dazu.

Das Buch ist sehr eindringlich geschrieben. Der Schreibstil ist sehr persönlich, fast so, als würde man Milevas Tagebuch lesen. Ich hab ihre Beweggründe nicht immer verstanden, hätte vieles anders gemacht als sie, aber es war ja auch eine andere Zeit. Mileva wahrlich hatte kein schönes Leben, ich beneide sie nicht darum.
 

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