Montag, 26. Februar 2018

Wenn Martha tanzt

  • Erscheinungsdatum Erstausgabe : 09.03.2018
  • Verlag : List Verlag
  • ISBN: 9783471351673
  • Fester Einband 288 Seiten
  • Genre: (historischer) Roman
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Vorab Hinweis: Zwar wurde mir vom Autor ein kostenloses Leseexemplar zur Verfügung gestellt,  dies hat aber keinerlei Einfluss auf meine nachfolgende Meinung!


„In der Musik und in der Liebe gibt es keinen Zufall.“

2001 fliegt ein junger Mann nach New York, um das Tagebuch seiner Urgroßmutter Martha bei Sotheby´s versteigern zu lassen. Am Ende bringt es noch viel mehr als die erwarteten 30 Millionen – außerdem macht er eine folgenschwere Bekanntschaft.

Martha wird 1900 in Türnow (Pommern) geboren. Ihr Vater betreibt ein Musikinternat und ihr erstes Wort ist „Pianoforte“. Aber sie kann weder singen noch eine Melodie auf einem Instrument spielen, denn sie hört die Töne nicht sondern sieht bzw. spürt sie: als Formen, Farben und Gefühle. Im Haus lebt auch Wolfgang, der nach einer Weltreise in Türnow bei ihren Eltern gestrandet und geblieben ist. Wolfang und Martha haben eine ganz besondere Verbindung, er versteht ihr „Gabe“, fördert und bildet sie. Seine Idee ist es auch, dass sie ihre Ausbildung am Bauhaus in Weimar fortsetzen wird, denn sie fühlt sich unvollständig, ist eine Suchende, kann sich nicht immer so ausdrücken, wie sie will.
In Weimar findet sie die Liebe ihres Lebens und merkt schnell: „...Frausein ist nicht immer leicht.“ (S. 112). Dann entdeckt sie das Tanzen für sich, ihr fehlendes Teil - endlich fühlt sie sich komplett. Immer dabei ist eine Kladde, die ihr Wolfgang geschenkt hat. Eine Chronik entsteht. Am Anfang notiert nur sie selbst ihre Ideen, aber bald ist es eine Art Wettbewerb ihrer Kommilitonen, sich in einem unbeobachteten Moment darin zu verewigen. Unter ihnen sind Franz Marc, Paul Klee, Wassily Kandinsky und Umbo (Otto Maximilian Umbehr). Als das Bauhaus zerbricht, geht sie zurück nach Türnow. Doch sie ist nicht mehr allein, hat neben der Kladde auch ein Baby dabei. Dann bricht der Krieg aus ...

Selten hat mich ein Buch so zwiegespalten zurückgelassen.
Die Sprache ist zu Beginn sehr poetisch, irgendwie reduziert, malt Bilder mit Worten; aber auch sehr technisch, wenn es um Formen geht. Außerdem ist es sehr spannend, wie der Erzähler einerseits vom Fund des Tagebuchs und seinen Entdeckungen darin erzählt und man parallel dazu Marthas Geschichte erfährt. Sie hatte ein einfache, aber schöne Kindheit, geprägt von Musik und dem Gefühl, dass ihr ihr älterer kurz nach seiner Geburt verstorbener Bruder ein Leben lang über die Schulter schaut und sie führt, beschützt – wie es große Brüder eben so tun. Man spürt das Besondere der Verbindung.
Als sie nach Weimar geht, lassen die Spannung und der Erzählfluss leider deutlich nach und ich hatte das Gefühl, eine Aufzählungen bzw. Stichpunkte ihres Lebens zu lesen. Dabei ist es durchaus interessant zu erfahren, wie die Ausbildung und der Lehrbetreib im Bauhaus aufgebaut waren, wie die Beziehungen der Lehrenden und Lernenden untereinander waren und wie die Nazis da immer mehr reinpfuschten, aber es hat sich für mich nicht richtig mit Marthas Geschichte verbunden.
Das Blatt wendet sich wieder, als sie zurück nach Türnow geht. Es war extrem berührend, über die Zeit des Krieges und Marthas Überlebenskampf zu lesen, wie sie versucht in den letzten Kriegstagen sich und ihre Tochter zu retten. Dann bricht auch noch das Tagebuch mitten im Satz ab – was passierte danach? Die Spannung wird schier unerträglich.
Und auch das eigentliche Ende des Buches, welches 2001 in New York spielt, war einerseits sehr emotional, wirkte anderseits aber zu abrupt. Da fehlte mir die Intention eines der Protagonisten – wurde an der Stelle vielleicht zu viel lektoriert?

Marthas Geschichte und die ihrer Nachkommen hat mich sehr berührt, auch wenn mich das Buch nicht durchgängig fesseln konnte.
 

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