Mittwoch, 14. März 2018

Mein Sommer auf dem Mond


  • Erscheinungsdatum Erstausgabe : 12.03.2018
  • Verlag : cbt
  • ISBN: 9783570311981
  • Flexibler Einband 350 Seiten
  • Genre: Jugendbuch

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Vorab Hinweis: Zwar wurde mir vom Verlag ein kostenloses Leseexemplar zur Verfügung gestellt, dies hat aber keinerlei Einfluss auf meine nachfolgende Meinung!





Das Mädchen mit den Mars-Riegel-Augen

Franzi ist 16 und ihr Leben seit der Scheidung ihrer Eltern von Panikattacken geprägt. Weil sie diese allein nicht mehr in den Griff bekommt, muss sie für 8 Wochen in das stationäre Therapiezentrum „Sonnenhof“ auf Rügen „...umgeben von Wasser und Einsamkeit.“ (S. 6). Basti ist schon zum zweiten Mal dort und damit quasi ein „alter Hase“. Ihm obliegt es, die Neulinge herumzuführen und Franzi fasziniert ihn wegen ihrer „Mars-Riegel-Augen“ sofort. Wie ein ganz normaler Jugendlicher versucht er, sie zu beeindrucken – und beißt auf Granit. Beide gehören zur Therapiegruppe der Astronauten, genau wie Sarah und Tim, und sie alle müssen lernen, miteinander auszukommen und zusammenarbeiten. (Der Name der Gruppe leitet sich von ihrem Stockwerk ab (dem 4.) und da die Vier sich tatsächlich wie auf Weltraummission oder auf dem Mond gestrandet fühlen, ist er mehr als passend.)

„Mein Sommer auf dem Mond“ ist mein erstes Buch von Adriana Popescu, aber garantiert nicht mein letztes. Selten habe ich mir so viele Zitate notiert wie hier. Mit sehr viel Gefühl und Einfühlungsvermögen erzählt sie vier ganz verschiedene Schicksale von Jugendlichen, die durch etwas aus der Bahn geworfen wurden. Die vier sehr verschiedenen Charaktere geben nur nach und nach preis, was sie wirklich bewegt und auf Rügen zusammengeführt hat.
Fritzi wirkt immer extrem kontrolliert und schlagfertig, aber sie fühlt sich wie im falschen Film. Selbst ihre beste Freundin weiß nicht, was sie hat – dabei wollten sie ursprünglich zusammen auf Rügen Urlaub machen. Ihre Anfälle haben diese Pläne durchkreuzt: „Die Angst hat sich um mein ganzes Leben gesponnen ...“(S. 88)
Basti gibt sich offen, freundlich und witzig (und vorlaut ;-)). Aber er kämpft gegen dunkle Dämonen und hat den Kampf schon einmal verloren. Er ist sich nicht sicher, ob er ihn überhaupt noch gewinnen will. Fritzi wird ein echter Anreiz und die Astronauten geben ihm zusätzlich Halt.
Tim ist die Sportskanone der Truppe und ich konnte ihn am Anfang eigentlich gar nicht leiden. Er gibt immer mit seinen tollen Freunden und seiner Freundin zu Hause an. Aber je mehr man von ihm erfährt, desto mehr Mitgefühl hatte ich mit ihm.
Sarah ist das Küken der Gruppe: extrem schüchtern und verklemmt. Sie ist immer darauf bedacht, dass man sie ja nicht bemerkt oder gar anschaut – ihr Schicksal ging mir fast noch näher als das von Basti. „Wenn ich nicht darüber rede, dann ist es vielleicht auch nie passiert. Und wenn ich es vergessen kann, dann vergessen es vielleicht auch die anderen.“ (S. 145) In Notsituationen und auf See wird sie allerdings zum Kapitän und überrascht nicht nur die anderen, sondern auch sich selbst.

Bei den Astronauten ist nichts so, wie es scheint. Die Geschichte ist extrem vielseitig, manchmal traurig und dreht sich u.a. um Cybermobbing und Verrat, aber auch Selbstfindung und Selbsterkenntnis. Die Astronauten lernen, wieder Freundschaften zu schließen, Vertrauen zu sich selbst und anderen zu entwickeln, mutig zu sein und an eine Zukunft und Träume zu glauben. Nach und nach werden aus der Zweckgemeinschaft echte Freunde, Verbündete.

Besonders gefallen hat mir die zarte Liebesgeschichte, die sich zwischen Franzi und Basti entwickelt, auch wenn der Moment eigentlich so gar nicht passt: „Gefühle halten sich nicht an Therapiepläne, oder?“ (S. 123)

Mein Lieblingszitat beschreibt, wie ich mich beim Lesen gefühlt habe: „Mein Herz hat die Schuhe ausgezogen und tobt sich seit Minuten in einer Hüpfburg aus.“ (S. 171) – genau so ging es mir mit diesem Buch!

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