Samstag, 23. März 2019

KURT

von Sarah Kuttner




  • Gebundene Ausgabe: 240 Seiten
  • Verlag: S. FISCHER; (13. März 2019)
  • ISBN-13: 978-3103974249
  • Genre: Roman Trauer



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Dieses Buch wurde mir kostenlos vom Verlag zur Verfügung gestellt. Dies hat keinerlei Einfluss auf meine nachfolgende Meinung!
 
„Ich bin mit zwei Kurts zusammengezogen. Einem ganzen Kurt und einem Halbtagskurt.“
Jana und Kurt haben sich entschieden, dass sie ihr Sorgerecht teilen und so pendelt das Kind nun wochenweise zwischen seinen beiden Oranienburger Zuhauses hin und her: zwei Häuser, zwei Kinderzimmer, unterschiedliche Regeln und alle Menschen, die er liebt. Und dann gibt es da noch mich.
Lena hat mir ihrem Freund Kurt ein Haus gekauft. Bisher war ihr größtes Problem, sich an die neuen Familienverhältnisse zu gewöhnen und sich in ihrem neuen Zuhause zurecht zu finden. Doch dann kommt alles anders, als man denkt: der kleine Kurt stirbt bei einem Sturz und zurück bleiben drei Erwachsene, deren Zentrum in Trauer implodiert.

Trauer ist ein so schwieriges Thema und schon für einen Außenstehenden, der nichts direkt damit zu tun hat, schwierig. Doch wenn man selbst davon betroffen ist, ist es schier unendlich. Nun war ich zum Glück noch nie in einer solchen Situation und kann nicht im Mindesten nachvollziehen, wie es sein muss, sein Kind zu verlieren, doch habe auch ich schon einen unerwarteten Todesfall in meiner Familie erlebt und musste mich damit auseinandersetzen und damit zurechtkommen.
Sarah Kuttner erzählt die Geschichte aus der Sicht von Lena, die den kleinen Kurt zwar schon länger kennt, aber dennoch nicht weiß, was sie denn nun für ihn ist. So sind ihre Überlegungen oft, wann sie denn etwas sagen darf und wie sie der Mutter von Kurt begegnen kann. Als dann das Unglück passiert, steht sie vor einem Scherbenhaufen.
Kurt, der mit sich selbst kämpft, der nicht weiß, wie er mit dieser neuen Situation zurechtkommen soll und der von seiner Trauer innerlich zerfressen wird, ist das eine, doch wie ist das eigentlich? Darf sie lachen und wo kann sie sich ihre Trauer vom Herzen reden? Sie muss doch für Kurt stark bleiben, wo bleibt sie?
Die Autorin hat hier ein berührendes Buch geschrieben, dass ich innerhalb eines Tages fertig gelesen habe und das mich auf eine emotionale Achterbahnfahrt geschickt hat. Die Gefühle waren auf jeder einzelnen Seite zu spüren und so konnte man zu Beginn der Erzählung oft schmunzeln und mochte die drei Charaktere einfach. Nach dem Unfall von Kurt war ich vor dem Buch gesessen und habe mir immer wieder überlegt, wie ich handeln würde, wie man Kurt helfen könnte, wie es mir an der Stelle von Lena gehen würde. Sie hat ihre eigene Trauer in eine Schublade gesteckt, um für Kurt da zu sein, dabei bräuchte sie so sehr selbst Unterstützung, denn auch sie hat einen geliebten Menschen verloren.
Immer wieder überkommt es den ein oder anderen und der Zusammenbruch ist nicht weit, doch schaffen sie es dennoch immer wieder sich gegenseitig Halt zu geben.
Es ist ein Buch, welches aufrüttelt, die Begegnung mit dem Tod trotz allem auf eine „schöne“ Art und Weise darstellt. Es zeigt, wie lange und schwer der Weg nach einem solchen Verlust ist und wie viel Kraft es benötigt, diesen zu gehen. Jeder, der jemanden aus dem nahen Umfeld verloren hat, wird sich hier wiederfinden. Die Autorin hat einen einfachen, unverblümten Schreibstil, der zeigt, wie es sein muss, ein Kind zu verlieren. Die Zusammenbrüche und das langsame Zurechtkommen mit der neuen Situation sind so beschrieben, als wäre es genau so passiert.

Eine Tragödie, die alles verändert, berührend, emotional und mit einer gewissen Ernsthaftigkeit geschrieben. Holt die Taschentücher raus, denn ihr werdet lachen, aber eben auch immer wieder weinen. Wahnsinnig traurig schön!

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