Montag, 1. April 2019

Madame Piaf und das Lied der Liebe




ISBN : 9783746634814
Flexibler Einband : 480 Seiten
Verlag : Aufbau TB
Erscheinungsdatum : 15.03.2019
Genre : Historischer Roman


Werbung (gemäß §2 Nr.5 TMG)
Vorab Hinweis: Zwar wurde mir ein kostenloses Exemplar zur Verfügung gestellt, dies hat aber keinerlei Einfluss auf meine nachfolgende Meinung.



Kleine große Édith Piaf

Es gibt wohl kaum jemanden, der den von Édith Piaf gesungenen Chanson „La vie en Rose“ noch nie gehört hat. Aber welche Geschichte steht hinter dem Text, den sie selbst geschrieben hat? Es ist das Lied von Édiths Liebe zu Yves Montand.

Die beiden lernen sich 1944 kennen. Der Krieg in Frankreich ist gerade vorbei und die „Säuberungsaktionen“ laufen – auch Édith wird der Kollaboration mit Deutschen verdächtigt, weil sie in deutschen Kriegsgefangenenlagern gesungen hat. Édith hat Angst vor einer Verhaftung. Aber sie ist auch berühmt, soll in wenigen Wochen bei der Wiedereröffnung des Moulin Rouge auftreten und braucht noch einen „Anheizer“. Man schlägt ihr Yves Montand vor. Als sie sich zum ersten Mal sehen, sind sie sich sofort unsympathisch. Er nennt sie „Weltschmerzheulsuse“. Sie findet ihn talentlos, grotesk, albern und peinlich – kurzum: unmöglich. Bis er anfängt, Chansons zu singen ...

Selten gab es ein ungleicheres Liebespaar als Édith und Yves. Sie ist nicht mal 1,50 m, er fast 1,90 m, sie ist keine klassische Schönheit, er ein Frauenschwarm, sie katholisch und politisch eher unbedarft, er sehr engagiert, sie hat keine richtige Familie, er eine große italienische. Außerdem ist Édith 6 Jahre älter als Yves und hat eine großen Verschleiß an Liebhabern, nie hält sie es lange mit ihnen aus: „Manchmal schien es ihr, als wolle sie nicht glauben, dass sie der Liebe wert war.“ (S. 170)

Michelle Marly erzählt die Geschichte einer kleinen Frau mit einem riesengroßen Herzen, die gern lebt, liebt, lacht, genießt und ihr Geld mit vollen Händen für sich und ihre Freunde ausgibt. Dabei stammt sie von ganz unten. Die Mutter hat die Familie verlassen, als sie gerade mal 2 Monate alt war. Ihr Vater hat ihr früh klar gemacht, dass sie Geld verdienen muss. Nur „... die Tonfolgen ... schenkten ihr Geborgenheit. Die Musik vermittelte ihr eine Wärme, die sie vergessen ließ, dass sie keine zärtlichen von Mutter oder Vater kannte.“ (S. 15)
Erinnerungen und Ängste verdrängt Édith erfolgreich. Ihren Alltag meistert sie mit Hilfe ihre Entourage, zu der u.a. ihre beste Freundin und Mitbewohnerin Simon zählt, die das (oft nicht vorhandene) Geld verwaltet, Sekretärin Dédée, Komponistin Marguerit Monnot (Guite) und Texter und Liebhaber Henri Content. Sie alle sorgen dafür, dass „die Marke Piaf“ funktioniert: „Schon von klein auf war sie auch süchtig nach dem Beifall des Publikums. Die Zuwendung, die sie durch den Applaus erhielt, hatte ihr stets die Liebe einer fürsorglichen Familie ersetzt.“ (S. 54)

Und jetzt kommt da Yves. Der Sohn italienischer Einwanderer stammt auch aus ärmsten Verhältnissen, hatte im Gegensatz zu ihr aber eine behütete Kindheit und ist Teil einer großen liebevollen Familie. Schnell wird aus ihm und Édith ein Paar. Ihn scheint sie zum ersten Mal wirklich zu lieben – was nicht heißt, dass sie Henri sofort aus ihrem Bett oder Leben wirft. Aber für Yves nimmt sie sich zurück, protegiert und unterstützt ihn, bis er ihre Erwartungen übererfüllt. „Manchmal habe ich das Gefühl, er ist der Bühnenlöwe, der mich eines Tages frisst. Seine Präsenz ist unglaublich.“ (S.342) Jetzt müssen sich ihre künstlerischen Wege trennen, sagen die Veranstalter.
Auch ihre Liebe wird immer komplizierter, Yves immer besitzergreifender. „Ich werde dich heiraten, und deshalb darf es keinen anderen mehr in deinem Leben geben.“ (S. 244) Nur einen richtigen Antrag macht er ihr nie.

Michelle Marly hat es nach „Mademoiselle Coco und der Duft der Liebe“ auch hier wieder geschafft, dass Édith, Yves und die anderen historischen Personen vor meinem inneren Auge lebendig wurden. Sehr bildlich schildert sie die damalige Lebensart, das französische Flair, welches auch kurz nach dem Krieg schon wieder zu spüren ist. Die schwierige Zeit zwischen Krieg und Frieden, die von Hunger und Ängsten, aber auch der Sehnsucht nach der guten alten Zeit und Unterhaltung geprägt ist.
Ja, Édith erscheint oft egoistisch, trotzdem mochte ich sie sehr. Ihren trockenen Humor und dass sie für ihre Freunde da ist, dass sie aus dem unbekannten Yves Montand einen Star macht und ihn nicht klein hält. Fesselnd und gespickt mit vielen Hintergrundinformationen erzählt die Autorin die große Liebe der „kleinen großen Édith Piaf“, in die ich eintauchen und den Alltag ringsum vergessen konnte.

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