Donnerstag, 12. Dezember 2019

Der weise Nen und der verliebte Jüngling - Neues aus Nian





von Paul M. Belt



Der weise Nen und der verliebte Jüngling

Einst kam ein junger Mann zu dem Ort, an dem sich der weise Nen zu jener Zeit aufhielt. Kaum dass dieser eingetroffen war, wusste Nen bereits, dass er hier einen schweren Fall gebrochenen Herzens vor sich hatte.
Nachdem nun der junge Bursch sich ausgiebigst erklärt hatte, legte er die Hände bittend aneinander und hob erneut an zu sprechen. „Selbst als ich die Blume meines Herzens nicht kannte, sondern sie nur ersehnte, ging es mir besser, als ich mich nun jemals wieder fühlen werde! Kannst du mir denn trotz all deiner Weisheit keinen Weg weisen, auf dem ich wieder zurückkehren möge, auf dass es wieder so werde, wie es vormals war?“ Flehentlich blickte er den Weisen an.

„Stelle dir ein Samenkorn vor“, erwiderte Nen langsam und bedächtig. „Vermag ein zarter Keim, der daraus erwuchs, sich auch wieder zurückzuziehen, um dem Korn wiederum die ehemalige Größe zu geben? Mitnichten kann dies geschehen, es sei denn, man bricht den Trieb ab. Selbst dann jedoch ist der ausgetriebene Teil des Korns nun für alle Zeit im Außen.“

Als der Jüngling sich verzweifelt abwenden wollte, fügte der Weise hinzu: „Dies schafft jedoch Platz für einen neuen Trieb, sobald das Korn wieder Kraft geschöpft hat.“
(volkstümlich aus dem Mittelland)

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