Mittwoch, 18. März 2020

Die Kleider der Frauen




ISBN : 9783746635675
Flexibler Einband : 512 Seiten
Verlag : Aufbau TB
Erscheinungsdatum : 18.02.2020
Genre : Historischer Roman


Werbung (gemäß §2 Nr.5 TMG)
Vorab Hinweis: Zwar wurde mir ein kostenloses Exemplar zur Verfügung gestellt, dies hat aber keinerlei Einfluss auf meine nachfolgende Meinung.


 
Stella Designs

Paris 1940: Estella ist 22 und arbeitet zusammen mit ihrer Mutter Jeanne als Schneiderin für die großen Couturiers. Nebenbei entwirft und schneidert sie Kleider nach ihren Vorstellungen, träumt vom eigenen Atelier mit zahlungskräftigen Kundinnen. Aber Europa steckt mitten im 2. WK und die Deutschen kommen Frankreich immer näher. Schon lange vermutet sie, dass Jeanne der Résistance angehört. Als Estella eines Abends in eine Aktion des Widerstands gerät und hilft, muss sie aus Paris verschwinden. Ihre Mutter hat dafür gesorgt, dass Estella seit ihrer Kindheit Englischunterricht von einem Amerikaner bekommt und schickt sie jetzt mit dem letzten Schiff nach Amerika. Dafür gibt sie ihr einen amerikanischen Pass – so erfährt Estella, dass sie einen amerikanischen Vater hat ...

New York 2015: Fabiennes Großmutter Estella ist 97 Jahre alt und hat nicht mehr lange zu leben. Kurz zuvor ist Fabiennes Vater gestorben und sie hat beim Ordnen seiner Unterlagen dessen Geburtsurkunde gefunden. Was darin steht, macht sie nachdenklich. Wer ist ihre Familie wirklich? Sie hofft, dass Estella ihr ihre Geschichte noch erzählen kann, aber die fordert als Gegenleistung, dass Fabienne nach ihrem Tod die Modemarke „Stella Designs“ übernimmt ...

„Die Kleider der Frauen“ von Natasha Lester ist eine Kombination aus historischem Roman und Liebesgeschichte, der zum Teil auf wahren Begebenheiten beruht und auf zwei Zeitebenen erzählt wird. Mir hat Estellas Geschichte dabei besser gefallen als Fabiennes.

Estella ist eine sehr mutige und kreative junge Frau, die einerseits das Rätsel ihrer Vergangenheit lösen und andererseits in New York ihr eigenes Label gründen will. Zu Hause wäre das nur mit männlicher Protektion vorstellbar gewesen „… in Frankreich durften Frauen kein eigenes Konto eröffnen und deshalb natürlich auch kein Bankdarlehen aufnehmen. Genauso wenig durften sie wählen – im Grunde waren Frauen Menschen zweiter Klasse …“ (S. 19), aber in Amerika scheint alles möglich, wenn man nur hart genug dafür arbeitet. Schon auf der Überfahrt hat Sam kennen gelernt, der als Zuschneider arbeitet, und in New York kommt noch das Model Jeanie dazu. Die drei sind ein gutes Team, trotzdem wird es schwieriger, als sie es sich ausgemalt haben, denn in Amerika stellen die Frauen andere Ansprüche an ihre Kleidung. „Amerika ist Gewerbe, Paris Kunst.“ (S. 67)
Außerdem trifft Estelle in New York den gutaussehenden Frauenschwarm und geheimnisumwitterten Engländer Alex wieder, den sie bereits in Paris kennen gelernt hat. Er scheint ein Spion zu sein, doch auf welcher Seite steht er und wie sind ihre Gefühle füreinander? Kann sie ihm vertrauen?

Fabienne ist ihrer Großmutter in ihrer Kreativität sehr ähnlich, aber ansonsten leider zu schüchtern, zurückhaltend und ängstlich. Obwohl sie schon als Kind Kleider entworfen hat, traut sie sich die Leitung der Firma und vor allem den Entwurf neuer Kollektionen einfach nicht zu, denkt, sie wäre nicht gut genug. Erst, als sie das Geheimnis um die Geschichte ihrer Familie löst, wird sie sich ihrer Stärken bewusst und wächst über sich hinaus. Dabei spielten auch der Amerikaner Will und dessen Schwester Melissa eine große Rolle.

Das Setting des Romans hat mir gut gefallen, wobei auch hier der Strang um Estellas Erlebnisse eindringlicher ausgearbeitet wurde. Die Beschreibung der Zustände in Paris und Frankreich haben mir gut gefallen – Estellas Gefühl der Unverwundbarkeit und Uneinnehmbarkeit von Paris „Paris war zu grandios, zu legendär, zu außerordentlich, als dass ein grotesker kleiner Mann namens Adolf Hitler ihm etwas anhaben konnte.“ (S. 24) und als Gegensatz die Verhältnisse, die sie auf der Flucht erlebt. Aber auch in Amerika liegt das Glück nicht auf der Straße, sondern man muss hart dafür arbeiten, macht die Autorin deutlich.

Für mich ist „Die Kleider der Frauen“ eine eindringliche Liebesgeschichte mit kleinen Längen, die sich um Mode, (Selbst-)Vertrauen und dramatisch Familiengeheimnisse dreht. „Dieses Kleid macht mir Mut. Wenn ich es anziehe, fühle ich mich wie die beste Version meiner selbst. Als wäre ich die Frau, die ich schon immer sein wollte.“ (S. 54)
 

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