Freitag, 22. April 2022

Der Codebreaker. Wie die Erfindung der Genschere die Zukunft der Menschheit für immer verändert

Spannend, lehrreich, klar struksturiert


von Walter Isaacson
Verlag: ‎ ecowin (März 2022)
Gebundene Ausgabe: ‎704 Seiten
ISBN: ‎9783711003065
Genre: Sachbuch

 

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Vorab-Hinweis: Zwar wurde mir ein kostenloses Exemplar zur Verfügung gestellt, dies hat aber keinerlei Einfluss auf meine nachfolgende Meinung.
  

 

Als ich das Buch in der Programmvorschau des Verlags gesehen habe, stellte sich mir die Frage, ob ich mir knapp 700 Seiten Sachbuch „antun“ will. Spannendes Thema, aber je nach Schreibstil echt mühselig… Wie ihr seht, ich konnte letztlich nicht widerstehen. Zum Glück, denn ich bin nicht nur in die spannende Welt der Biochemie abgetaucht, der Autor Walter Isaacson findet auch die richtige Mischung zwischen unterhaltsam und lehrreich.

Klar strukturiert folgt Walter Isaacson nicht nur dem Leben und Arbeiten von Jennifer Doudna und Emmanuelle Charpentier, denen 2020 für die Entwicklung der Genschere CRISPR/Cas9 der Nobelpreis für Chemie verliehen wurde, auch die Arbeiten anderer Wissenschaftler werden betrachtet und der Autor gibt eine Einführung in die moderne Biochemie.

Dafür geht er zurück bis zu Darwin und Mendel, denen die meisten von uns wohl bereits in der Schule begegnet sind, und ohne deren Erkenntnisse wir wohl heute nicht da wären, wo wir sind – es sei denn, andere Forscher hätten diese Arbeit übernommen… In der Regel ist es nicht nur ein einzelner Naturwissenschaftler oder ein kleines Team, das sich mit einem bestimmten Thema befasst. Meist liefern sich die unterschiedlichsten Wissenschaftler ein Wettrennen mit dem Ziel, als erster einen Durchbruch zu erzielen und diesen zu veröffentlichen. Eines der bekannteren Beispiele dürften Watson/ Crick und Linus Pauling sein, doch auch das Rennen um CRISPR war ein regelrechter Krimi, den Walter Isaacson gut einfängt und dadurch zumindest mich, ähnlich wie bei einem Thriller, fesseln konnte.

Nicht minder spannend war allerdings der Abschnitt des Buches, der sich mit den ethischen Fragen beschäftigt, die die Möglichkeit des Geneditierens unweigerlich mit sich bringt. Wie weit kann und darf die Wissenschaft gehen? Welche Gene dürfen verändert werden, bei welchen ist es moralisch nicht vertretbar gezielt einzugreifen? Ist es in Ordnung, Gene zu verändern, um Krankheiten zu heilen oder ihnen vorzubeugen?

Daher führt der Weg auch unweigerlich zu He Jiankui, der 2018 einer größeren Öffentlichkeit bekannt wurde, als er 2018 einer Frau im Rahmen einer künstlichen Befruchtung Zwillingsembryos implantierte. Laut eigenen Angaben hatte er zuvor mit CRISPR/Cas das Erbgut verändert, um die Zwillinge immun gegen das HI-Virus zu machen, da der Vater mit HIV infiziert war. Letztlich wurde He Jiangkui entlassen und zu einer Haftstrafe verurteilt.

Zuletzt widmet sich das Buch in Teil 9 dem Coronavirus, bei dem es vor allem bei der Entwicklung eines Impfstoffes wieder einmal zu einem Wettrennen kam – gegen das Virus und gegen andere Forscher.

Insgesamt ist Der Codebreaker nicht nur was die Seitenzahl anbelangt ein umfangreiches Buch, so dass ich in dieser Rezension nur einige Aspekte aufgreifen kann, eben jene, die mir besonders im Gedächtnis geblieben sind, auch wenn ich bei genauerem Nachdenken immer mehr Punkte finde, die ich ebenfalls gerne erwähnen würde. Dies würde wohl jedoch den Rahmen sprengen.

Wenn ihr also mehr wissen wollt, vor allem auch was die Genschere CRISPR genau ist und was sie kann, dann empfehle ich einfach das Buch zu lesen, denn es ist wirklich spannend und auch für Laien gut verständlich geschrieben.

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